Notwendigkeit und Fortführung der Besatzmaßnahmen im Jahr 2022

In den letzten Jahren hat sich auch die Bestandssituation bei unserer heimischen Bachforelle zunehmend verschlechtert. Darum hat der Landeanglerverband Thüringen e.V. (LAVT) mit genau den gleichen Schwerpunkten, wie bei Äschenschutzprogramm, ab dem Jahr 2010 ein eigenes Bachforellenschutzprogramm aufgelegt.

Insgesamt spielt der Schutz unserer heimischen Fischfauna, auf Grund ihres gestiegenen Gefährdungsgrades eine immer wichtigere Rolle. Auch unsere Bachforelle wäre in Thüringen, ohne die entsprechenden Hege- und Besatzmaßnahmen der organisierten Angelfischerei noch stärker in ihrem Bestand gefährdet. Zum Thema Fischbesatz sind bereits seit Jahrzehnten die vielfältigsten Studien und umfangreiche Fachliteratur/Schriftenreihen vorhanden. Dabei gibt es pauschal gesagt zwei unterschiedliche Ansätze, der eine, welcher Fischbesatz unter optimalen Lebensraumbedingungen bewertet und der andere, welcher die tatsächlichen Gewässerbegebenheiten und Störgrößen, wie den massiven Fischfraß durch Prädatoren, berücksichtigt.

Die Vorschläge von Kritikern des Fischbesatzes, welche, wenn überhaupt nur den Besatz mit Fischbrut erlauben wollen, sind nicht neu, jedoch nur unter ganz bestimmten, optimalen Lebensraumbedingungen praxistauglich. Viele Vereine und der Landesanglerverband Thüringen e.V. beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema sowie mit dem Besatz von Bachforellenbrut. Der Großteil der Bachforellenbrut wird bereits seit Jahrzehnten durch unsere Vereine und dem LAVT (Thüringer Gewässerverbund/ Saalekaskade) von den Thüringer Fischereiunternehmen bezogen oder im Rahmen eigener Schutzprogramme selbst erzeugt. In der Praxis hat sich leider wiederholt bestätigt, dass allein über den Besatz mit Fischbrut, insbesondere bei Bachforellen, der Fischbestand nicht nachhaltig aufgebaut werden kann.

Auf Grund des massiven Fraßdruckes verschiedener Prädatoren, wie Kormoran, Grau- und Silberreiher, Gänsesäger, Mink und zunehmend durch den Fischotter, sind unsere heimischen Fischarten akut in ihren Beständen gefährdet. Eine nachhaltige Fischhege, wie wir sie uns vorstellen und in Fachbüchern beschrieben wird, ist aktuell nicht oder nur sehr bedingt möglich.

Ohne regelmäßige Hege- und Besatzmaßnahmen, auch von Setzlingen und größeren Fischen, würden die Bachforellenbestände in vielen unserer Salmonidengewässer zusammenbrechen. Seit ca. 20 Jahren erreicht der überwiegende Teil der Bachforellen nicht mehr die Laichreife, da sie vorher von Prädatoren gefressen werden. Dies ist in der Praxis die Realität und wird von einer Vielzahl von Studien bestätigt! Noch vor dem Jahr 2000 mussten wir in der Mehrzahl der Thüringer Salmonidengewässer deutlich seltener Bachforellen besetzen, da sich ausreichend laichreife Fische entwickeln konnten und diese oft mehrfach die Chance hatten abzulaichen. Im Ergebnis hatten wir früher einen deutlich besseren Fischbestand in unseren Salmonidengewässern und das trotz schlechterer Wasserqualität, ungenügender Durchgängigkeit und Gewässerstruktur.

Wir sollten uns beim Thema Fischbesatz endlich wieder ehrlicher machen und objektiv die Realitäten bewerten. Unsere Fließgewässer sind nun mal nicht unter einer Glaskugel geschützt und haben auf Grund einer Vielzahl zivilisatorischer Einflüsse nicht mehr die Ertragsfähigkeit, wie vor 200 Jahren. Selbst Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit und Gewässerstruktur werden daran nur bedingt etwas ändern. Wir leben in einer entwickelten Kulturlandschaft und auch Gewässer unterliegen einer vielfältigen Nutzung. Wir tragen hier alle Verantwortung und das Thema Fischartenschutz bedarf einer aktiven Problemlösung.

Eine wichtige Aufgabe hat dabei die fischereiliche Nutzung der Gewässer durch die Thüringer Angel- und Berufsfischerei. Die gesamte Thematik ist wenig dazu geeignet fragwürdige Problemfelder aufzumachen um weitere Studien zu akquirieren, das Rad zum zigsten Mal neu erfinden zu wollen und damit weiter unnötige Zeit für wirkliches Handeln zu verlieren. Es gibt umfangreiche, langfristige Erfahrungen und ein vielfältiges praktisches Wissen bei der fischereilichen Bewirtschaftung von Gewässern sowie der Hege und dem Schutz der Fischbestände. Auch die tatsächlichen Gründe für die Gefährdung unserer heimischen Fischarten sind seit langem bekannt. Wir müssen die Realität und speziell die Ursachen für die Gefährdung unserer heimischen Fischfauna nur sehen wollen und nicht versuchen Studien, welche Fischbesatz unter „Laborbedingungen“ bewerten, als Grundlage zu nehmen.

Vorschläge von Personen, welche nur wenig fischereiliches Fachwissen und praktische Erfahrungen vorweisen können, aktuell in Thüringen als Fischereifachleute agieren, gern von Kritikern der Berufs- und Angelfischerei in Anspruch genommen werden, gefährden die Zukunft der heimischen Fischfauna sowie der Thüringer Berufs- und Angelfischerei. Nur über eine stabile, wirtschaftlich starke Thüringer Berufs- und Angelfischerei kann auch der Schutz unserer heimischen Fischarten und der Lebensgemeinschaften an und in den Gewässern langfristig sichergestellt werden. Keiner der kleinen Thüringer Fischereibetriebe kann allein mit der Produktion von Fischbrut überleben. Auch kein Angelverein kann sich stabil entwickeln oder wird weiterhin Geld und Manpower in den Fischartenschutz investieren, wenn seine Mitglieder keinen verwertbaren Fisch mehr fangen.

Die Fischerei hat nicht nur eine lange Tradition, sondern heute eine wichtige soziokulturelle und wirtschaftliche Bedeutung in unserer Gesellschaft. Sie vermittelt Lebensqualität, leistet einen wichtigen Beitrag beim Arten- und Gewässerschutz sowie für eine gesunde Ernährung. Dies alles sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzten. Grundsätzlich sollte die Erzeugung von Fischbrut und Satzfischen vorrangig in den Händen von fachkundigen Fischereiunternehmen, welche unter Aufsicht der Veterinärämter/ Fischgesundheitsdienst stehen sowie langjährig erfolgreich betriebene Aufzuchtanlagen der Angelfischerei mit erfahrenem, fachkundigem Personal, bleiben. Wir haben massive Probleme im Fischartenschutz und eigentlich keine Zeit uns über die Notwendigkeit bzw. Förderfähigkeit von Fischbesatz zu streiten, so wie es momentan leider geschieht.

Um es deutlich zu sagen, der LAVT sieht aktuell als einziger Anglerverband in Thüringen die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Förderung einer Vielzahl heimischer Fischarten und dies in verschiedenen Altersklassen, bis hin zu Laichfischen. Bei vielen Fischarten, so auch bei der Bachforelle, benötigen wir dringend einen ausreichenden, stabilen Laichfischbestand. Schon heute fehlt es an geeigneten Bachforellenlaichern bzw. den notwendigen Kapazitäten für deren Haltung. Darum wären diesbezügliche langfristige Förderprogramme für ausgewählte Fischereiunternehmen, welche die entsprechenden Voraussetzungen haben, dringend angezeigt. Doch entscheidend für das zukünftige Überleben unserer heimischen Fischfauna, auch der Bachforelle, ist eine grundsätzliche Neuausrichtung in der Artenschutzpolitik, verbunden mit der dringend notwendigen, fachlich begleiteten Regulierung von Prädatoren, wenn diese sich überproportional entwickeln und andere Arten in ihrer Existenz massiv gefährden.

Besonders große Verantwortung tragen die Interessengruppen, welche, oft aus persönlichem Interesse, Arten in Thüringen ansiedeln, für welche in der heutigen Kulturlandschaft der notwendige Lebensraum oft nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden ist. Die Kosten und Folgen von Fehlentwicklungen im Artenschutz, welche maßgeblich durch politische und behördliche Entscheidungen verursacht werden, tragen letztendlich immer die Bürgerinnen und Bürger. Für Fischereiunternehmen können diese sogar Existenz bedrohend sein.

Wie sagte richtigerweise Eric Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der Alba Group:
„Bei allem, was man tut, das Ende zu bedenken, das ist Nachhaltigkeit.“

Aktuell sehen wir, was die Gefährdung unserer heimischen Fischfauna betrifft, einen Expresszug ungebremst auf eine Mauer zufahren. Verantwortung dafür tragen viele und es fehlt aktuell an den richtigen Entscheidungen.

Dietrich Roese                                   André Pleikies
Präsident                                           Geschäftsführer