Wir erhielten die vergangenen Tage immer wieder Anfragen, ob die Eisflächen der Gewässer betreten werden dürfen bzw. ob Eisangeln möglich bzw. erlaubt ist.

Auch wenn es Minusgrade gibt, sind die Eisflächen oft noch nicht dick genug um ausreichend tragfähig zu sein.

Darum weißt der Landesanglerverband Thüringen e.V. ausdrücklich alle Anglerinnen und Angler darauf hin, dass das Betreten von Eisflächen auf Gewässern mit erheblichen, oft unterschätzten Gefahren verbunden ist. Wir raten das Betreten von Eisflächen aktuell zu unterlassen.

Jeden Winter brechen Kinder und Erwachsene auf Eisflächen ein. Eine Person kann sich in der Regel bei diesen niedrigen Temperaturen nur maximal drei Minuten über Wasser halten. Kinder haben bereits nach zwei Minuten im Wasser kaum noch eine Überlebenschance.

Auch sind Hinweise von Gewässereigentümern in den Medien oder Ausschilderungen an den Gewässern, welche das Betreten von Eisflächen verbieten, zu berücksichtigen.

Wie dick muss das Eis sein, damit es trägt?

Bevor Gewässer freigegeben werden, muss das Eis auf stehenden Gewässern mindestens

  • 15 Zentimeter dick sein, auf fließenden Gewässern sogar 20 Zentimeter. Dazu sind über mehrere Wochen zweistellige Minusgrade erforderlich.
  • Dunkles, transparentes Eis (Schwarzeis) ist meist sehr kompakt und tragfähig, weißes oder milchiges Eis hingegen ist deutlich weniger stabil.
  • Bei milchigem Eis ist oft die doppelte Dicke nötig, um dieselbe Tragkraft wie bei Schwarzeis zu erreichen.


Bitte beachten. – Schnee wirkt auf dem Eis übrigens wie eine Isolationsschicht und verhindert, dass die Kälte in das Eis eindringt. Zudem verdeckt der Schnee gefährliche Risse oder dünne Stellen im Eis.

Eine besondere Gefährdung besteht auf sämtlichen Gewässern, welche Pegelschwankungen oder Strömungseinflüssen unterliegen. Dazu gehören unter anderem auch Talsperren und Speicher.

Durch Pegeländerungen, Strömungen, Sonneneinstrahlung, unterschiedliche Wassertiefen sowie Zuflüsse kann das Eis von unten her ausdünnen oder aufbrechen, ohne dass dies an der Oberfläche erkennbar ist. Selbst geschlossene Eisflächen können daher jederzeit, selbst unter geringer Belastung, einbrechen.

Wie bereits aufgeführt, stellt ein Sturz ins eiskalte Wasser eine akute Lebensgefahr dar. Zudem ist eine Rettung auf instabilem Eis oftmals nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass wer eine nicht freigegebene Eisfläche betritt, auf eigene Gefahr handelt und in der Regel bei Rettungseinsätzen die Kosten für die Bergung zu tragen hat.

Wichtige Handlungshinweise um sich nicht zu gefährden bzw. Leben zu retten

Worauf sollten Sie achten?

Wenn Eis bricht, geschieht dies oft schlagartig und großflächig. Wenn es also unter ihren Füßen knackt und knistert oder sich schon Risse bilden, sollten sie sich sofort flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen. Dann robben sie langsam Richtung Ufer.

Was tun, wenn Sie eingebrochen sind?

Wenn sie einbrechen, sollten sie so schnell es geht die Arme ausbreiten, um ein Untertauchen zu verhindern.
Brechen sie dann das Eis in der Richtung, aus der sie gekommen sind, so lange ab, bis es wieder dicker wird. Versuchen sie dann sich auf die Eisoberfläche zu rollen und zurück zu kriechen.

Wichtig. – Wenn sie sich befreien konnten, ziehen sie so schnell es geht die nasse Kleidung aus und wickeln sie sich in eine warme Decke ein.

Wie ist zu handeln, wenn jemand eingebrochen ist?

  • Setzt so schnell es geht einen Notruf 112 ab und rufen sie laut um Hilfe, damit sie ggf. Helfer vor Ort unterstützen können.
  • Geben sie den genauen Standort an und beschreiben sie die Situation.
  • Am besten, sie sprechen mit der eingebrochenen Person, um sie zu beruhigen.
  • Panik kann zu kraftzehrenden Bewegungen führen, die das Eis weiter brechen lassen.

Bitte versuchen sie nie, eine Person an der Hand aus dem Loch herauszuziehen. Es besteht die Gefahr, dass sie selbst in das Eisloch gezogen werden.

Nähern sie sich der Einbruchstelle niemals stehend, sondern verteilen sie ihr Körpergewicht auf eine möglichst große Fläche. Am besten ist eine Unterlage, wie ein breites Brett, eine Leiter oder ein Schlitten.

Sie können auch lange Gegenstände wie Äste, Stangen, Schals, Abschleppseile oder eine Leiter zum Herausziehen verwenden.

Wichtig! – Nach der Rettung müssen die Personen unbedingt waagerecht liegen. Wenn ein stark unterkühlter Mensch plötzlich aufrecht hingestellt wird, fließt das kalte Blut aus den Extremitäten zum Herzen und kann zum Herzstillstand führen. Diesen Effekt nennt man auch Afterdrop.

Vielleicht klingen unsere Handlungshinweise für einige banal, doch sie können Leben retten!

Der Landesanglerverband Thüringen e.V. appelliert nochmals an alle Anglerinnen und Angler, die eigene Sicherheit sowie die Sicherheit Dritter stets an erste Stelle zu setzen, unsere Hinweise zu berücksichtigen und das Betreten von Eisflächen aktuell unbedingt zu unterlassen.

Wir raten eindringlich von Kontroll- oder Betretungsgängen über gefrorene Gewässer sowie vom Eisangeln ab! 

Ihr Landesanglerverband Thüringen e.V.