24.03.2017 | Angelmethoden
Gewässer, die durch Torfabbau entstanden sind, Dorfteiche, kleine Waldseen und sogar Viehtränken verbergen oft einen kleinen Goldschatz: Karauschen, die mit ihren großen Schuppen sicher zu den schönsten Fischen unserer Gewässer zählen. Carassius carassius wie die Wissenschaftler diesen Vertreter der Karpfenfische nennen, bewohnt zwar auch Seen, größere Teiche, Kanäle und langsam fließende Flüsse, doch hat sie hier oft einen schweren Stand. Räuber wie Hecht und Wels lassen sich gern mal einen knackigen Goldbarren schmecken. In den Zeiten des lebenden Köderfischs zählte die Karausche für viele Hechtangler zu den beliebtesten Ködern, denn sie hielt – ohne Biss – oft den ganzen Angeltag durch.
Heute ist ihre Bedeutung als (toter) Köderfisch deutlich geringer. Das liegt sicher auch daran, dass es immer schwerer wird, überhaupt gute Karauschengewässer zu finden. Zwei Dinge machen der Karausche dabei das Leben besonders schwer: der Verlust geeigneter Lebensräume und starker Besatz mit anderen Fischen. Viele Dorfteiche und andere Kleingewässer fallen menschlichen Aktivitäten zum Opfer und werden einfach zugeschüttet. Oder trocknen durch Wassermangel in heißen Sommermonaten soweit aus, dass selbst die Karausche keine Chance hat. Ein kräftiger Besatz mit Schleien und natürlich den so beliebten Karpfen lässt den Karauschenbestand in der Regel langsam verschwinden. Alle drei Arten ernähren sich sehr ähnlich, nur sind vor allem Karpfen eben deutlich größer als Karauschen und verputzen so auch deutlich mehr.
Die Karausche wird oft verwechselt – vor allem mit dem Giebel (wissenschaftlicher Name Carassius auratus). Die Unterscheidung ist auch nicht einfach. Am lebenden Fisch hilft es am besten, die Schuppen entlang der Seitenlinie zu zählen: Sind es 32 bis 34 dürfte es wirklich eine Karausche sein. Bei 31 kann es auch ein Giebel sein. Sind es nur 27 bis 30 ist es auf jeden Fall ein Giebel. Bei toten Fischen hilft ein Blick in die Leibeshöhle: Das Bauchfell des Giebels ist auffallend dunkel gefärbt. Barteln hat eine Karausche übrigens nie. Auch kleine Schuppenkarpfen tauchen in Meldungen aber immer wieder als Rekordkarauschen auf.
Allein im Teich
Dass die Karausche in einigen ihrer Heimatgewässer die einzige überlebende Fischart ist, verdankt sie ihren Nehmerqualitäten. Selbst Tiefschläge wie ein extrem niedriger Sauerstoffgehalt, starke Überdüngung des Gewässers oder harter Frost steckt ein Karauschenbestand schon mal weg. Was der Karauschenkörper dabei biologisch leis-tet, findet auch in anspruchsvollen wissenschaftlichen Magazinen immer wieder Erwähnung. Denn die Karausche ist zum Beispiel in der Lage, ihren Stoffwechsel so umzustellen, dass sie Alkohol anreichert. Dieser hilft ihr als Frostschutz durch harte Winter. Die Tatsache, dass das Herz des Fisches auch bei extremem Sauerstoffmangel weiter arbeitet, hat das Interesse der medizinischen Forschung geweckt, denn das menschliche Herz bekommt hier sehr schnell große Probleme. Vielleicht lässt sich da für die Behandlung etwas lernen.
Ein Fisch für die Pose
Anglerisch kann die kleine Karpfenverwandte durchaus anspruchsvoll werden. Auch größere Vertreter ihrer Art zwingen uns beim Posenfischen schon mal dazu, von einem 3-Gramm- auf eine 1,5- Gramm-Modell runterzugehen, um überhaupt Bisse zu bekommen. Posenfischen ist auch wegen der geringen Größe vieler Karauschengewässer die Standardtechnik, um die Goldbarren zu fangen. Einfacher Dosenmais bringt fast immer Bisse, doch kann an schwierigen Tagen eine gute Köderauswahl sehr hilfreich sein. Teig, den wir mit verschiedenen Aromen veredelt haben, kleine Rotwürmer oder Maden sind bewährte Köder-alternativen zum Mais. Auch für Vorfächer und Haken gilt übrigens: so fein wie irgend möglich. Denn die Königin des Dorfteichs kann schon eine launische Diva sein! Dass der rundliche Fisch mit den großen Schuppen viel mehr als nur Köderfischgröße erreicht, beweisen gerade skandinavische Friedfischspezialisten immer wieder. Ein herrliches Beispiel dafür kommt aus Dänemark: Die Riesenkarausche von Brian Jensen wollen wir Ihnen deshalb hier unbedingt zeigen. Diese Karausche hat ein Gewicht von unglaublichen 3,75 Kilo bei 52 Zentimeter Länge! Laut der wissenschaftlichen Internet- Datenbank www.fishbase.org können Karauschen aber noch größer oder zumindest länger werden: 64 Zentimeter werden dort als größte, bekannte Karauschenlänge angegeben. Was muss ein Fisch dieser Größe an der leichten Posenrute für eine Spektakel veranstalten! Schon deutlich kleinere Vertreter seiner Art legen herrlich hektische Fluchten und schnelle Richtungswechsel hin, die jeden Drill spannend werden lassen. Wo Karauschen groß werden, können sie auch gezielt mit Karpfentechniken gefangen werden. Selbsthakmontagen mit Hartmais oder Mini-Boilies an Haarvorfächern gehören dort zum festen Repertoire der Karauschenspezialisten. Es ist halt ein kleiner Karpfen mit goldenen Schuppen. Apropos: Viele Karpfenrezepte passen natürlich auch für seine kleine Verwandte ausgezeichnet. Obwohl die Karausche grätenreicheres Fleisch hat als der Karpfen und natürlich geschuppt werden muss, hat sie auch als Speisefisch durchaus ihre Fans. Kleinere Fische bieten sich zum Frittieren an, größere wandern in vielen Rezepten in Alu-Folie verpackt in den Ofen, andere empfehlen das Braten in Butter. Unabhängig von der Zubereitungsart kann der leicht süßliche Geschmack der Karausche aber viele Fisch-Fans überzeugen.
Arnulf Ehrchen
24.03.2017 | Angelmethoden
Das Angeln auf Friedfische wird mit sinkenden Temperaturen immer schwieriger. Denn die Fische fahren den Stoffwechsel auf ein Minimum herunter und nehmen so auch nur noch wenig Nahrung auf. Da bedarf es schon einiger Überredungskünste Plötzen, Brassen und Co. an den Haken zu locken. Kanäle und Häfen lassen sich aber zu dieser Jahreszeit im tiefen Wasser mit Kopf- oder Matchruten nur noch schwer beangeln weil die Einstände der Fische kaum zu erreichen sind. Hier haben sich Feederruten bewährt. Allerdings muss man die Montage und den Köder den Umständen der kalten Jahreszeit anpassen.
Feines Gerät zum Fischen
Die Hauptschnur sollte so dünn wie möglich gewählt werden, denn das Wasser ist zu dieser Jahreszeit oft sehr klar und eine dünnere Schnur hilft weite Würfe zielgenau an den Platz zu bringen. In der kalten Jahreszeit sollten wir die leichteste und dünnste Feederspitze als Bissanzeiger an unserer Rute verwenden die man im Sortiment hat. Denn oft sind die Bisse nur kleine Zupfer. Der Futterkorb sollte ebenfalls nicht zu groß gewählt werden. Je nach Strömungsbedingungen sollte der Futterkorb mit einem Bleischlitten versehen sein, der unseren Köder trotz Strömung immer noch am Platz hält, auch wenn die Füllung unseres Futterkorbes bereits aufgelöst wurde.
Welcher Korb ist der richtige?
Es gibt viele Arten von Futterkörben die je nach Gewässer zum Einsatz kommen können. In der kalten Jahreszeit verwende ich gern kleinere Körbe mit mittelgroßen Maschen. Hier tritt das Futter nur langsam aus. Man sollte im Winter ohnehin sparsam mit dem Futter sein. Feiner Sand und einige Maden unter das leicht lösliche und vor allem sehr fein gemahlene Futter gemischt helfen dabei, dass die Fische zwar angelockt und aufmerksam werden, aber nicht zu schnell satt sind. Ein kleiner Haken am kurzen Vorfach an der Schlaufenmontage liegt dann immer in der Nähe des Futterkorbes. Als Köder verwende ich in der kalten Jahreszeit vor allem Fleischmaden und Caster. Es gilt ein Problem zu lösen. Vor allem Brassen und Plötzen, zu dieser Jahreszeit unsere Hauptzielfische, nehmen kaum noch Nahrung vom Grund auf. Deshalb ködere ich gern eine Fleischmade und einen Caster an den Haken. Die verpuppte Fleischmade ist leicht und treibt auf. Sie hebt den Köder und den kleinen Haken leicht vom Grund an. Dasselbe erreicht man mit einer kleinen Styroporkugel die auf den Haken aufgefädelt wird. Sie lässt unsere Fleischmade kurz über dem Grund schweben. Die Fische brauchen so den Köder nicht am Grund suchen sondern finden ihn „auf Augenhöhe“. Sicherlich sind mit der Feederrute in der kalten Jahreszeit nur selten Massenfänge möglich wie in den Sommermonaten, weil die Fische sich langsamer bewegen, weniger Nahrung aufnehmen. Die eine oder andere gute Winterplötze kann man aber dennoch überlisten.
Thomas Bein
Bilder: © Thomas Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Sie wohnen in kleinen Schachteln, einsam an der Köderwand des Angelladens. Gesellschaft leisten ihnen manchmal nur zwei kleine Einzelhaken mit Ösen dran. Viele beachten sie gar nicht. Wer dann doch die Packung von der Wand nimmt, den Miniwobbler betrachtet und sich das Preisschild ansieht, ist zuerst schockiert: So viel Geld für so wenig Kunstköder. Aber wie ihre großen Geschwister sind auch sie absolute Profis in ihrem Element. Oft sind sie nur wenige Zentimeter groß und nur wenige Gramm schwer, Tauchtiefen liegen zwischen 50 und 150 Zentimetern. Also nur was für flaches Wasser?
Nicht unbedingt. Vor allem in den Sommermonaten haben sich viele Räuber auf Brutfische eingeschossen. Womit jetzt effektiv angeln, wenn die Räuber jeden anderen Köder großzügig ignorieren? Genau die kleinen Wobbeltierchen schließen die Lücke und sie sind die Antwort auf die Köderfrage. Wenn die Mini-Wobbler erst im Wasser sind, zeigen sie so richtig, was sie können. Auch hier gibt es die schwimmende, die sinkende und die suspendig – die schwebende Variante. Doch so fein und filigran die Köder auch gearbeitet sind: Das Gerät und die Montage müssen sich dem anpassen, um die Stärken der Minis wirklich auszuspielen.
Um die Kleinen werfen zu können, braucht man entsprechendes Gerät: feine Rute mit einem Wurfgewicht bis 15 Gramm, eine sehr dünne aber weiche geflochtene Schnur, Fluorkarbon als Vorfachmaterial und Einhänger, die haltbar aber leicht sind. Denn vor allem der Einhänger am Vorfach beeinflusst das Schwimm- und Laufverhalten der kleinen Köder viel stärker als bei den großen Geschwistern unserer Miniwobbler. Ein schwebender Wobbler wird da bei zu schwerem Einhänger schon mal schnell zum sinkenden U-Boot. Je kleiner und feiner das Gerät, umso besser können die Kleinen in ihrem Element zeigen, was sie können. Ich hatte vor einigen Wochen ein wenig Mitleid mit den kleinen Miniwobblern an der Köderwand und habe einige aus ihrer Einsamkeit befreit. Sie durften sich zu den anderen Wobblern in meiner Köderkiste gesellen. Dabei fiel meine Wahl vor allem auf natürliche Muster in Silber mit weißem Bauch und blauem Rücken. Aber auch Minis in grellen Farben haben vor allem auf beißfaule Fische ihre Berechtigung.
Am Wasser angekommen, treten sie mit mir eine kleine Bootsfahrt an und freuen sich endlich im Wasser zu zeigen, was sie können. Vom Boot aus geht der erste Wurf in Richtung Ufer. Viele Bäume säumen den See, glasklares Wasser und Räuber, die im Schatten der Bäume auf Beute lauern. Gleich der erste Wurf bringt den ersten Fisch. Mit einem kleinen „Plop“ landet der Wobbler auf dem Wasser. Die ersten Kurbelumdrehungen, in der feinen Rute spürt man, wie der Wobbler arbeitet und die kleine Rasselkugel vibriert.
Und dann rüttelt es plötzlich wie wild am Köder. Der erste Barsch hat den Mini gleich genommen, zwei, drei Meter durfte er sein Können ausspielen und das reichte, um den Barsch von seinen Qualitäten zu überzeugen. Wie wild dreht sich der gestreifte Räuber, zeigt hin und wieder mal seinen weißen Bauch. Das alles hilft nichts, denn die kleinen, nadelscharfen Haken haben sicher gefasst. Der kleine Tiny Try 50 von Illex war nur einen Moment im Wasser und konnte dabei nur ein kleines Stück davon ausspielen, was er wirklich kann. Ein zweiter Räuber will an dieser Stelle nicht auf den Köder hereinfallen. Mehrere gute Barsche verfolgen den Köder bis zum Boot, attackieren ihn aber nicht. Jetzt kann der Knirps zeigen, was er noch kann. Drei, vier Kurbelumdrehungen und kurze Pause. Dann wieder ein Stück im Wasser arbeiten.
Kurbelt man die Miniwobbler in der suspendig Bauweise mit einer kleinen Pause ein, bleiben sie an ihrer Position. Die Wobbler sinken nicht weiter ab und steigen auch nicht auf. Allein ein kleiner Einhänger führt dazu, dass der Miniwobbler etwas „kopflastig“ wird und langsam zu Boden taumeln könnte. Doch auch hier bleibt er leicht über dem Grund schwebend im Wasser stehen. Die Drillinge schweben über dem Grund. Entweder greifen sich Barsch und Co. genau in dieser Ruhephase den Köder oder genau dann, wenn er sich nach einer kurzer Ruhepause wieder in Bewegung setzt. Die kleinen Minis sind ebensolche Hightech-Köder wie ihre größeren Artgenossen. Man kann sie ganz langsam führen, aber auch über Krautbänken und an Schilfkanten taumeln lassen. Auch hier wird so mancher Räuber verführt. Hin und wieder schnappt sich auch ein hungriger Hecht den kleinen Miniwobbler. Ein haltbares Fluokarbonvorfach ist da Pflicht. Stahlvorfächer würden den Lauf des Köders zu sehr negativ beeinflussen. An dem ganz feinen Gerät macht aber auch ein gerade maßiger Hecht sehr viel Rabatz und es macht richtig viel Spaß den Halbstarken auszudrillen. Doch die kleinen sind nicht nur im Flachwasserbereich zu gebrauchen. Selbst bei Wassertiefen um die drei Meter haben die Barsche zugeschlagen. Sie lauern in der Tiefe an Kanten und Krautbänken. Und dann steigen sie blitzschnell auf, um den kleinen Köder zu attackieren. So ausbalanciert und verführerisch die Knirpse unter den Wobblern auch sind: Auch die kleinen und dennoch stabilen Drillinge sind Nadelscharf und bestrafen den geringsten Versuch den vermeintlichen Beutefisch zu fressen.
Wer nicht nur im Herbst sondern auch im Sommer richtig Spaß am Spinnfischen haben will, sollte sich im Angelladen ruhig mal den kleinen Ködern widmen, die da ganz einsam an der großen Köderwand hängen. Der Minieinsatz verführte eine ganze Reihe Barsche an diesem Tag. Zum Fototermin wurden jedoch nur so viele gefangen, wie es für eine Pfanne voll zum Abendessen brauchte.
Thomas Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Manchmal weiß man erst am Wasser, was man für Schätze in der Gerätekiste hat. Nämlich dann, wenn der Spezialist sein Können ausspielt. Ondex-Spinner von Rublex sind Spezialisten für flaches Wasser, heiße Fische und schwierigste Situationen.
In einem relativ flachen Karpfen- und Schleiengewässer wächst das Schilf Jahr für Jahr weiter in die Wasserfläche. Die Fische freut´s, denn sie haben noch mehr Schutz, doch für Angler wird es immer schwieriger, in diesem Gewässer den Fischen nachzustellen. Neben Karpfen und Schleien gibt es auch einen guten Bestand an Plötzen, Brassen und Rotfedern. Natürlich haben sich bei dem reich gedeckten Tisch auch zahlreiche Hechte eingefunden. Doch auch sie haben sich ihr Jagdrevier und Schilf gesucht, dort wo ihre Beute, die kleinen Plötzen und Rotfedern, sich aufhalten. Wie aber sollen die Hechte dort beangelt werden? Jetzt im Frühjahr sieht der Teich aus wie ein frisch gerodeter Schilfwald. Trockene Halme ragen dicht an dicht aus dem Wasser, das frische Grün sprießt schon leicht. Im Freiwasser ist keiner der Räuber zu fangen. Im Schilfwald räubern die Hechte dafür an vielen Stellen. Wie soll man die Räuber hier aber fangen? Wer ist so verrückt, in diesen Schilfwald seinen Köder hineinzuwerfen? Mit geflochtener Schnur und einer mittelstarken Rute wage ich den Versuch. Als Köder taugt hier aber kein Blinker, kein Gummifisch und auch kein Mepps-Spinner, sondern eine ganz besondere Art von Spinner. Der Ondex von Rublex kommt hier mal wieder zu Ehren. Diese Spinner sind etwas ganz besonderes. Sie haben zum Beispiel kein Blei auf der Spinnerachse. Das Wurfgewicht kommt nur vom Spinnerblatt und den zahlreichen Wollfäden am Drilling, die man vor dem Werfen kurz ins Wasser tauchen sollte, um noch ein paar Gramm mehr Gewicht zu bekommen. Das bedeutet, dass man den Köder auch im sehr flachem Wasser langsam führen kann, denn das breite, löffelförmige Spinnerblatt ist das einzige Gewicht des Köders und sorgt durch seine Rotation für enorme Druckwellen, ohne zu versinken. Das Ganze hat aber noch einen Vorteil. Der Rotationskreis des Spinnerblattes ist sehr groß. Das heißt, dass der Kreis, den das Spinnerblatt bei seiner Rotation beschreibt größer ist als der Drilling dahinter. Dadurch schlägt das Spinnerblatt gegen Hindernisse wie Schilfhalme oder Äste unter Wasser ohne dass der Drilling diese jedes mal greift. Soweit die Theorie. In meinem Schilfwald kann man aber trotzdem nicht blindlinks hineinwerfen, denn auch der beste Spinner findet irgendwann sein Hindernis. Deshalb suche in vor jedem Wurf eine Schneise zwischen den Halmen, die ich anwerfen kann. Hier wird der Köder dann langsam hindurch geführt und mit steil gestellter Rute um Hindernisse sacht herumgeführt. Der erste Wurf ging gleich völlig daneben und hing gleich im Schilf. Der Drilling löste sich aber noch recht leicht und so konnte die Angelei weiter gehen. Der Ondex lässt sich schwierig werfen, denn man muss ihn so geschickt in die Luft schicken, dass das Spinnerblatt an die Achse klappt und der Spinner so sprichwörtlich segelt. Aber eben auch noch dahin, wo er hin soll. Der zweite Wurf war besser und tatsächlich, auf halber Strecke fällt der erste Hecht über den Köder her. Wütend wehrt sich der Bursche gegen den Druck der Rute. Drillen ist hier nicht angesagt. An der steil gestellten Rute muss der Hecht ans Ufer, auch wenn er an der Oberfläche planscht und wütend tobt und versucht, ins Schilf zu flüchten. Im trockenen Schilf sind solche Manöver kein sehr großes Risiko. Anders wäre es im Sommer oder im Herbst, wo scharfe Schilfblätter eine straffe geflochtene Schnur auch schon mal kappen können. Der erste Hecht an diesem Tag landet sicher im Kescher. Kein Riese mit 55 Zentimeter; aber mäßig und gerade die richtige Größe für die Bratpfanne. Nachdem der Bursche von seinem Irrtum befreit ist; geht es weiter. Schneise im Schilf suchen, auf den Wind achten und den Ondex in den Wald schicken. Es dauert nicht lange, keine 15 Minuten, da schlägt der zweite Räuber zu. Auch er stand mit im Schilf und stürzte sich gierig auf den Köder. Mit der selben Methode kommt auch er in den Kescher. Der Kollege ist allerdings noch etwas zu klein und darf nach der Landung wieder schwimmen. Jetzt mache ich erst einmal eine Pause. Bislang habe ich den 5er Ondex in Silber gefischt. Jetzt kommt ein kleineres Modell an den Haken, Messingfarben wie die Schuppen der vielen Rotfedern hier im Teich. Das Räubern zwischen den Schilfhalmen hat etwas nachgelassen, aber noch immer sind Hechte im Schilf unterwegs. Sie haben sich vom Drill ihrer beiden Artgenossen offensichtlich nicht verscheuchen lassen. Rute in die Hand nehmen, Schnur festhalten, Bügel öffnen, die Wollfäden leicht ins Wasser tauchen und ab geht’s in den Schilfwald. Gleich der erste Wurf mit dem neuen Köder funktioniert und landet in einer kleinen freien Stelle im Schilf, die etwa einen Quadratmeter groß ist. Drei, vier Kurbelumdrehungen und schon kocht das Wasser. Ein ordentlicher Hecht hat sich gleich bei den ersten Umdrehungen des Spinnerblattes den Köder geschnappt. Der Bursche ist etwas größer als seine beiden Vorgänger und versucht, kreuz und quer ins Schilf zu flüchten. Mal nach links, mal nach rechts. Anders als an normalen Gewässern kann ich die Rut im Drill nicht zur Wasseroberfläche halten, um das Springen und Schütteln des Hechtes zu verhindern, denn sonst kann ich den Burschen nicht durch das dichte Schilf dirigieren. Immer wieder kommt der Hecht mit dem Kopf aus dem Wasser und reißt das Maul weit auf, versucht den Haken los zu werden. Nur ein Haken des Drillings sitzt direkt vorn im Maul. Langsam führe ich den Hecht zum Kescher, eine letzte kurze Flucht, ein letztes Kopfschlagen und der Hecht löst sich vom Haken. Der hängt jetzt im Kescher. Doch der Hecht ist vom Drill noch ziemlich benommen und bleibt einen kurzen Moment im knöcheltiefen Wasser stehen. Schnell lege ich den Kescher über den Fisch und ziehe ihn zum Ufer. Beim Fluchtversuch schwimmt der Grünschnabel direkt in den Kescher.
Glück gehabt. Immerhin 72 Zentimeter lang ist der Bursche und damit die Bestleistung aus dem Schilfwald an diesem Tag. Für heute reicht es, ich packe meine beiden Hechte ein und arbeite mich durchs Unterholz zurück zum Auto. Es war ein erlebnisreicher Tag und in der Frühlingssonne ein schönes Naturerlebnis. Ich war in diesem Angeljahr noch zweimal im „Schilfwald“. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Wahrscheinlich waren an diesem hier geschilderten Tag die Rotfedern und Plötzen so zahlreich ins Schilf zu ihren Laichplätzen gezogen, dass die Räuber ihnen zahlreich folgten. Allerdings ist im weiteren Frühjahr oder im Sommer das Angeln im Schilf auch mit dem Ondex immer schwieriger, weil die neuen Triebe sehr hoch wachsen und sich so die Schnur bereits beim Werfen in den Halmen verfängt. Erst im Frühjahr, wenn das alte und trockene Schilf gebrochen und die jungen Triebe noch klein und weich sind, kann man den Wurf ins Schilf wagen. Allerdings hat der Ondex in diesem Jahr eine gute Strecke Hechte auf die Seite gelegt, denn es gibt ja noch genug andere flache Gewässer, für die dieser Köder wie gemacht ist.
Thomas Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Kommt man an ein Gewässer um aktiv auf den Zander mit Gummifisch zu angeln, so stellt man sich immer die Frage, welche Farbe wohl heute die fängigste sei. Bei der Auswahl der einzelnen Farben spielt natürlich die Gewässertrübung, Gewässertiefe und ob man am Tage oder in der Dunkelheit fischt eine wichtige Rolle. Auch die momentan vorliegende Jahreszeit und ob man am Fluss oder See den Zander nachstellen möchte, spielt eine ganz wichtige Rolle bei der Auswahl der Farben. Es ist wichtig, dass man stets die passendsten Farbkombinationen zur Hand hat, um in der Lage zu sein, verschiedene Farben der Situation anzupassen, was letztendlich über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Hat man die geeignete Farbkombinationen nicht in seiner Köderbox, so kann man sich zwischen sehr hellen und sehr dunklen Farben entscheiden, da nicht selten die Kontraste Schwarz und Weiß den ein oder anderen Zander zum Biss verleiten. Man sollte sich aber vor dem Angeln auf dem Zielfisch Zander so vorbereiten, das man sich eine Auswahl an Gummiködern so zusammen stellt, das man sich den entsprechenden Gegebenheiten anpassen kann.
Um den Zander noch mehr auf unseren Köder Aufmerksam zu machen, montieren wir einfach Geräuschekapseln (Rasseln, oder ähnliches) an den Gummi, um die Lockwirkung zu steigern, da diese beim Auftreffen auf den Grund eine Anwesenheit des Köders signalisieren.
Farbskala:
- Klares Wasser & helles Licht: Transparent – Silberglitter
- Klares, leicht angetrübtes Wasser: Transparent – Blau – Glitter
- Trübes Wasser & Sonnenschein: Bernstein – Goldglitter, Dunkelgelb
- Tiefe & warme GewässerTiefe & warme Gewässer: Transparent – Rotglitter
- Universal einsetzbar in allen Gewässertypen: Transparent – Schwarzglitter
- Standartfarbe für Gewässer mit vorsichtigen Zander: Motoroil – Grün, Braun – Grün, Grün – Glitter
- Beginn der Nacht (Dämmerung): Mattschwarz, Weiß , Gelb, Gelb – Grün
- Nachfischen in tiefen, klaren Gewässer: Glanz – Schwarz – Rotglitter, Weiß, Gelb
Ob der Zander an der gewählten Farbe Interesse zeigt, liegt auch an der Technik, die man anwendet, denn nicht nur die Farbe ist entscheidend, auch das Laufverhalten des Köders.
Das Imitieren eines Beutefisches sollte mit der angewanden Technik den Zander so überzeugen, dass er denkt, eine leichte Beute machen zu können, da er nur auf kurze Distanz den Köder verfolgt und dann das Interesse verliert. Welche Farbe zum Einsatz kommt, verrät uns eine Farbskala, die uns eine Übersicht, wann und welche Farbe angeboten werden soll gibt.
Olaf Marawaki