18.10.2011 | Fischarten- & Gewässerschutz
Am Speicher Töttelstedt war der Ablass defekt und musste dringend erneuert werden. Die Stadt Erfurt, die das Gewässer unterhält, bat den TLAV um Mithilfe, da beim Ablassen des Speichers Fische zu erwarten waren.
Der leitenden Mitarbeiterin Frau Albrecht, Abteilungsleiterin Gewässerunterhaltung, und den Kollegen von der Wasserwirtschaft kamen wir gern entgegen, verfügt doch der TLAV über moderne Fischereitechnik. Nachdem die nötigen Vorbereitungen gemeinsam mit dem Garten- und Friedhofsamt der Stadtverwaltung Erfurt getroffen und alle notwendigen Genehmigungen eingeholt waren, konnte am 18. und 19. Oktober 2011 abgefischt werden. Erfreulicherweise haben einige Angelfreunde ihre Freizeit zur Verfügung gestellt, um tatkräftig und ehrenamtlich zu helfen. Da die Herbstferien gerade begonnen hatten, konnten auch einige Jungangler bei den Abfischarbeiten mithelfen. Nachdem der Ablass geöffnet war, begann der Wasserspiegel sich langsam zu senken. Zwischenzeitlich wurde mit Hilfe des Arbeitsbootes das Gewässer von treibendem Unrat befreit und der erste Fischzug mit der Teichwade durchgeführt. Der Erfolg war nicht zufriedenstellend, da versunkene Bäume und eine starke Schlammschicht ein Abfischen mit dem Netz stark behinderten. Also Planänderung.
Klaus Hilse und Klaus Freund als leitende Elektrofischer bekamen die meisten Fische dann mit Hilfe modernster Elektrotechnik. Es wurde vom Ufer und vom Boot aus gefischt. Hier möchte ich erwähnen, dass unsere jugendlichen Helfer Maximilian Pfotenhauer und Florian Hladtka aus Erfurt und Marcel Kipsch von den Angelfreunden der Saalekaskade besonders fleißig mitgeholfen haben. Schließlich wollten sie so viel wie möglich Fische fangen. Die gelandeten Fische, es handelte sich in der Hauptsache um Giebel, fanden im Zoo in Gotha einen dankbaren Abnehmer. Nachdem der Wasserstand soweit abgenommen hatte, dass auch mit dem Boot kein vorwärtskommen mehr möglich war, begannen die nächsten Schwierigkeiten.
Der See gab preis, was jahrelang auf dem Gewässergrund lag. Holz, Schutt, Schrott, Unrat, Unmengen leere Flaschen und ein Autodach, das aus der meterdicken Schlammschicht herausragte. Es entpuppte sich als komplettes Autowrack. Das war ganz schön anstrengend, das Boot über den Schlamm bugsieren und die Fische dem PKW keschern. Schließlich macht man das nicht alle Tage. Die herbei gerufene Polizei und Feuerwehr prüften die Situation und bargen und entsorgten fachmännisch das Autowrack. So ein versunkenes Auto birgt immerhin eine große Gefahr für unsere Umwelt. Bei den schwierigen Bedingungen mussten die letzten Fische per Hand von den fleißigen Helfern abgelesen werden. Das waren immerhin mehrere tausend Stück.
Die Abfischung war für jede Angelfreundin bzw. Angelfreund sowie für Frau Albrecht und ihre Mitarbeiter eine echte, auch körperliche Herausforderung. Darum schmeckte das warme Essen, das die Geschäftsleitung des TLAV jeden Tag anliefern ließ, allen besonders lecker.
Dank der Hilfe der Angelfreunde des Thüringer Landesangelfischereiverbandes e.V. (TLAV) kann die Stauanlage nunmehr saniert werden und steht uns hoffentlich bald als ein weiteres, attraktives Angelgewässer zur Verfügung. Die Abfischaktion zeigte zum wiederholten Male die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Erfurt und dem TLAV und dass auf uns Angler Verlass ist.
Klaus Freund
13.10.2011 | Weiterbildungen
Für die Vorsitzenden und Gewässerwarte des Thüringer Gewässerverbundes fanden am 13. und 19. Oktober 2011 im Tagungsraum des Gasthofes „Schloss Hubertus“ in Erfurt zwei Informationsund Schulungsveranstaltungen statt.
Zu Beginn informierte der Geschäftsführer des TLAV über die Bildung einer Gewässerkommission, welche gemeinsam mit den Vereinen die Betreuungsvereinbarungen (Gewässerpflegeverträge) überarbeitet und an die aktuellen Aufgaben in der Gewässerpflege sowie der Mitgliederund Gewässerentwicklung im Verbund anpassen wird.
Sowohl für die Hege der Fischbestände als auch für die Pflege der Gewässer bedarf es einer entsprechenden Ausstattung an Technik und Qualifizierung. Aus diesem Grund wurde nicht nur die Gewässerpflegetechnik deutlich aufgestockt, sondern im Jahr 2012 werden zusätzlich Lehrgänge zur fachgerechten Bedienung und Wartung moderner Mähtechnik und eines Großhäckslers (Hacker) sowie Lehrgänge zum Erwerb eines Kettensägenführerscheins durch den Thüringer Gewässerverbund angeboten. Ziel ist es neben der technischen Qualifizierung und der Vermittlung wichtiger Aspekte des Arbeitsschutzes, die Gewässerpflegeeinsätze zu optimieren. Allein „nur“ die Entsorgung des Mülls an den Gewässern befriedigt uns Angler nicht. Aus Erfahrung wissen wir, dass unsere Mitglieder zu ihren Arbeitseinsätzen an den Gewässern gern was schaffen, ja ein Ergebnis sehen wollen. Die Arbeitspläne der Vereine für das Jahr 2012 sind bitte bis spätestens 30. Januar 2012 in der Geschäftsstelle des TLAV einzureichen. Dies ist unter anderem wichtig, um die Nutzung der vorhandenen Technik effektiv planen zu können.
Den Tagesordnungspunkt „Auswertung der Fangergebnisse 2010“ übernahm Angelfreund Maik Jahn, welcher nicht nur die Auswertung durchgeführt, sondern ein dafür entsprechendes PC – Programm entwickelt hat.
Die Auswertung zeigt, dass in allen Gewässern eine fachgerechte Fischhege/Besatz stattfindet und die Gewässer, unter Berücksichtigung der entnommenen Fische (Fangauswertung), ihrer Größe und Ertragsfähigkeit, ordentlich besetzt werden. So verwundert es bei der Auswertung der Zahlen nicht, dass auch die kleineren Gewässer für Angler attraktiv sind und hier beachtliche Fänge realisiert werden.
Insgesamt wurden im Jahr 2010 18.999,2 kg (gewichtet auf alle ausgegebenen FES 27.592 kg) Fische in den Gewässern des Thüringer Gewässerverbundes gefangen. Diese Fänge teilen sich wie folgt auf in Friedfische / Sonstige – 14.174,30 kg, Raubfische – 3.979,90 kg, Forellen – 845,40 kg. Natürlich liegt die Fangauswertung genau unterteilt nach Fischarten und Größenklassen in Form von Tabellen und Grafiken vor. Das wäre dann insgesamt über 500 Seiten Datenmaterial und würde den Rahmen allein schon aus Platzgründen hier sprengen.
Neben den gesetzlichen Vorgaben im Thüringer Fischereirecht und den vertraglichen Regelungen in den Pachtverträgen, insbesondere der damit verbundenen Hegepläne, ist es um eine ausgewogene Besatzpolitik verfolgen zu können wichtig, die Fangbücher exakt auszuwerten.
Um dies möglichst aussagekräftig, aber auch vom Arbeitsaufwand überschaubar zu gestalten, stellte Maik Jahn ein von ihm entwickeltes Programm auf Basis von Excel vor, das so angelegt ist, dass es auf fast jedem PC funktionieren dürfte.
Außerdem wurde es bedienerfreundlich erstellt und orientiert sich an den in der Vergangenheit per Hand auszufüllenden Fangstatistiken des Thüringer Gewässerverbundes. Somit ergeben sich grundsätzlich zur bisherigen Verfahrensweise keine wesentlichen Änderungen. Wie gehabt sind auch zukünftig die Fänge aus den ausgegebenen Fangbüchern des Vorjahres in entsprechende Listen, jetzt natürlich viel einfacher am PC, ins Programm zu übertragen. Die Eingabe ist so konzipiert, dass nur die Felder freigegeben sind, welche zum Ausfüllen erforderlich sind. Weiterhin sind entsprechende Verknüpfungen eingebaut, so dass ein Zusammenrechnen der Einzeleinträge nicht notwendig ist. Das heißt, das Programm rechnet sofort alle Daten zusammen, so dass jedem Verein die Fänge der Mitglieder für sein Pflegegewässer vorliegen.
Für alle diejenigen, die über einen PC und Internetanschluss verfügen, besteht nunmehr die Möglichkeit der Datenübertragung per Email. Dies spart nicht nur Porto und Papier, sondern ist auch ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz.
Sicherlich gibt es auch noch Verbesserungsvorschläge aus den Vereinen, die Maik Jahn grundsätzlich gern entgegen nimmt. Die Vorschläge sollten aber berücksichtigen, dass sie für möglichst jedermann verständlich und praktisch umzusetzen sind. Im Ergebnis müssen die einzelnen Listen der Vereine eine zusammenfassbare Gesamtauswertung ergeben. Die Veranstaltung sollte unter anderem dazu genutzt werden, um zum einen die für 2011 überarbeitete Fangauswertung vorzustellen, aber auch um Fragen bzw. Probleme bei der Erfassung und des Handlings des Programms im Gespräch und an praktischen Beispielen zu klären. So stellte Maik Jahn das Programm den Anwesenden verständlich Schritt für Schritt vor.
Die Resonanz der anwesenden Vorsitzenden und Gewässerwarte war überaus positiv, ja einige waren echt begeistert, welche Möglichkeiten das Programm bietet und wie einfach doch dessen Bedienung ist. Wer wollte, konnte sich das Programm anschließend auf seinen persönlichen Stick herunterladen.
Die Veranstaltungen wurden von allen Teilnehmern als sehr gelungen eingeschätzt und später in gemütlicher Runde und einem leckeren Essen beendet.
Eine ähnliche Informationsveranstaltung haben wir am 10. November 2011, im Hotel Tanne, in Saalfeld mit den Vereinen an der Saalekaskade vom Angelfischereiverband Ostthüringen e.V. und unseren Vereinen durchgeführt. Auch hier war die Resonanz durchweg positiv.
André Pleikies
Geschäftsführer
01.10.2011 | Fischarten- & Gewässerschutz
Unter dem Motto „Die Äsche – Fisch des Jahres 2011“ fand am 01. Oktober 2011 ein Erfahrungsaustausch mit Vertretern der ARGE Sinntal (Hessen) und Vetretern aus Mitgliedsvereinen des Thüringer Landesangelfischereiverbandes statt.
Ca. 25 Thüringer Angler reisten dazu nach Altengronau ins landschaftlich reizvolle Sinntal zwischen Rhön und Spessart. Empfangen wurden wir von den Herren Alfred Schmidt (Vorsitzender und Sprecher der ARGE), Rainer Hennings (Verband Hessischer Fischer) und Peter Paulini (Mitglied der Arge) im „Gasthof zur Krone“ in Altengronau.
Nach einer kurzen gegenseitigen Vorstellung eröffnete Herr Alfred Schmidt mit seinen Ausführungen zur mittlerweile fast zehnjährigen Arbeit der ARGE unseren Erfahrungsaustausch.
Als Hauptursachen wurden genannt:
- Verschlechterung der Wasserqualität.
- Sedimenteintrag in das Kieslückensystem.
- Querverbauungen durch Kleinkraftwerke. Hierbei ist auffällig, dass die Hauptinstallationsmaßnahmen mit dem Beginn des Zerfalls der Äschenund anderer Kieslaicher-Populationen sehr zeitnah sind.
- Wunschfischbesatzmaßnahmen mit Aalen und Regenbogenforellen, letztere besetzen den Äschenlebensraum.
- Die Befischungsmethoden.
- Der Fraßdruck Fischfressender Vögel. Wobei heimische Arten, wie der Eisvogel und der Graureiher, sich an der heimischen Fauna ohne nachhaltige Auswirkungen bedienen können, sie beeinträchtigen das Jäger-Beute Verhältnis nicht. Verheerende Schäden sind durch den Kormoran zu verzeichnen.
Probleme, wie wir sie auch aus unseren Thüringer Gewässern kennen.
In der hessischen Sinn und in der schmalen Sinn liegt die hegerische Verantwortung für insgesamt sechs Pachtstrecken bei der ARGE Sinntal Gewässerökologie. Der Äschenrückgang sowie der Zerfall der Barben- und Nasenpopulationen begründet sich hauptsächlich in den Querverbauungen (Wasserkraftnutzung) sowie einem übermäßigen Aalbestand und starken Kormoraneinflügen in den letzten Frostperioden mit bis zu 200 Vögeln. Es ist davon auszugehen, dass der ohnehin schon geschwächte Bestand in weiten Streckenabschnitten durch Kormoranfraßdruck weitestgehend vernichtet worden ist. Das Flusssystem Sinn verfügt über ausgezeichnete Laichhabitate, hohen Natürlichkeitsgrad, ein ausgezeichnetes Nährtieraufkommen, sehr gute Wasserqualität und eine biologische Gewässergüte von durchschnittlich 1,50. Es ist ein sommerkaltes Gewässer mit durchweg hartem Untergrund, die Höchsttemperatur im Fünf-Jahres-Mittel beträgt 15,5°C. Die Bewirtschaftung erlaubt nur das Fischen mit der künstlichen Fliege, ohne Widerhaken und mit geringen Entnahmen. Äschen, Barben und Nasen sind seit fünf Jahren ganzjährig geschützt. Die Zahl der Fischereierlaubnisscheine ist begrenzt, ein großer Streckenteil darf nur vier Monate im Jahr befischt werden. Trotz der eigentlich bezüglich des Gewässers existierenden idealen Voraussetzungen einschließlich des Baus einer Fischwanderhilfe am Kleinwasserkraftwerk Altengronau und umfangreicher Besatzmaßnahmen konnte eine nachhaltige Stabilisierung der Hauptfischarten nicht erreicht werden. Neben dem Äschenprojekt wurde parallel ein Artenhilfsprogramm zur Wiederansiedlung von Nase, Barbe, Gründling und Elritze auf den Weg gebracht. Doch auch hier steht man mittlerweile fast wieder am Ausgangspunkt.
Durch eine sehr effiziente Lobby- und Pressearbeit ist es der ARGE gelungen, den Blick der Politik und Behörden für die Probleme an der Sinn zu schärfen. Mit für Hessen eher un-üblichen Genehmigungen sind selbst im Naturschutzgebiet Kormoranvergrämungsabschüsse möglich geworden. Mittlerweile wurde zur weiteren Unterstützung dieser Bemühungen ein Arbeitskreis aus Vertretern der Fischerei- und Naturschutzbehörden, von Ornithologen und Mitgliedern der ARGE gebildet.
Gemeinsam mit dem Fischzüchter Herrn Lothar Keidel aus Ehrenberg (Rhön) ist es in mehrjähriger angestrengter Arbeit gelungen, autochthone Sinn-Äschen stabil in seiner Fischzucht zu vermehren und bis zu jeder gewünschten Größe aufzuziehen. Doch selbst der Besatz mit 7.000 – 9.000 Äschensetzlingen pro Jahr über mehre Jahre hinweg konnte die nahezu vollständige Vernichtung des Äschenbestandes durch Kormorane in der Sinn nicht aufhalten!
Ergänzt wurden die Ausführungen von Herrn Schmidt durch einen Vortrag von Herrn Rainer Hennings sowie einigen „Bonus-Informationen“ zur rasanten Ausbreitung invasiver amerikanischer Krebsarten und ihren nachteiligen Folgen für den einheimischen Edelkrebs in Hessen.
Im Anschluss hatten wir die Gelegenheit noch ein paar kurze Blicke in die Sinn in Altengronau zu werfen. Vor Augen geführt wurden uns die nachteiligen Auswirkungen der Kleinwasserkraftanlage auf das Gewässer, welche selbst die vor wenigen Jahren errichtete Fischwanderhilfe nur zum Teil kompensieren kann. Immerhin wurden einige kleine Äschen gesichtet aber auch ein nichtheimischer Signalkrebs in seiner ganzen Pracht. Nach den Vorträgen und am Gewässer gab es Gelegenheit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch in kleineren Gesprächsrunden. Nach einem reichlichen Mittagessen verabschiedeten und bedankten wir uns bei unseren neu gewonnenen hessischen Freunden und Kollegen mit dem gegenseitigen Wunsch, diesen Kontakt weiter zu pflegen.
Fortgesetzt wurde unsere Exkursion nach knapp einstündiger Fahrt durch eine herbstbunte Landschaft im strahlenden Sonnenschein im Forellenhof Keidel in Ehrenberg (Rhön) am Fuße der Wasserkuppe, dem höchsten Berg der Rhön.
Auf seinem Forellenhof stand Herr Keidel schon zur Begrüßung bereit. Von ihm erfuhren wir, dass sein kleiner Familienbetrieb 40 Teiche (besser Teichlein) mit einer Gesamtfläche von einem (!) ha am Nordosthang der Wasserkuppe bewirtschaftet. Immerhin bringt er es auf dieser geringen Fläche mit spärlichem Wasserdargebot auf eine eindrucksvolle Jahresproduktion von ca. 35 t Fisch. Über die Direktvermarktung seines Markenprodukts der „Rhöner Bachforelle“, vor allem in der Gastronomie des Biosphärenreservats, gelingt ihm auch eine bemerkenswerte Wertschöpfung. Darüber hinaus beliefert er mit Forellen und Äschen (Brut und Setzlinge) Anglervereine und -verbände u.a. in Thüringen, Sachsen, Brandenburg ja selbst bis Hamburg. Die Qualität und Exklusivität seiner Fische haben dazu geführt, dass zahlreiche potenzielle Kunden mitunter jahrelang in einer Warteschleife stehen müssen. „Klein aber fein“- und zahllose Stunden engagierter Arbeit der ganzen Familie sind das Rezept seines Erfolgs.
Nach dieser kurzen Einführung ging’s dann zum eigentlichen Kleinod seines Betriebes, der Brut- und Aufzuchthalle sowie den Laichfischteichen seiner Sinn- Äschen. Erst seit wenigen Jahren steht diese moderne Halle, ausgerüstet mit Rundbecken, wo wir dann auch die ersten Äschen zu sehen bekamen. Sowohl in einigen Teichen vor der Halle und in den Rundbecken tummelten sich Tausende äußerst vitaler Jungäschen im 8 °C kühlen Quellwasser. Hier erklärte uns Herr Keidel den Zyklus von der Laichfischhaltung über die Erbrütung, das Anfüttern und die weitere Aufzucht seiner Äschen. Vor dem heute gesicherten Erfolg lagen drei angestrengte Jahre des Studierens und Experimentierens, denn Äschen verlangen ganz einfach wesentlich mehr Fingerspitzengefühl als Forellen oder Saiblinge. Das punktgenaue Erkennen der Laichreife vor dem Abstreichen oder das Herausfinden eines geeigneten Starterfutters für die Brut sind nur zwei der vielen Hürden, die zu nehmen waren. Insgesamt erfordern Äschen aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit ein weitaus behutsameres Handling als viele der bekannten Wirtschaftsfischarten. Mit seinem etablierten Laichfischbestand hat Herr Keidel ein hohes Maß an Sicherheit für eine stabile, von Kormoran- und Witterungseinflüssen weitestgehend unabhängige Äschenreproduktion geschaffen. Laichfischbestand und Reproduktions-technologie stehen bereit, um sofort bestandsstützend dort und dann einzugreifen, wo Kormorane kein ernsthaftes Problem sind. An der Sinn muss die Sinnhaftigkeit eines weiteren umfangreichen Äschenbesatzes bei anhaltender Kormoranprädation leider infrage gestellt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Dieser Tag hat sich für alle Beteiligten in jeder Hinsicht gelohnt. Es gab eine Menge zu sehen und zu lernen, wir haben neue Partner und Freunde in unserem Nachbarland Hessen gefunden, bei denen wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich für die Zeit und Mühe bedanken möchten, die sie für uns aufgewandt haben. Mit zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen hat nicht zuletzt ein strahlender Indian-Summer-Tag in der Rhön. Petri sei Dank
Bilder: © Andreas Kirsch
25.03.2011 | Jugendevents
Als ich 2005 meinen Angelschein machte, habe ich mich im Ennepe-Ruhr-Kreis (NRW) in dem ich lebe nach Angelmög- lich-keiten in einem Verein erkundigt.
Mir wurde sehr schnell klar, dass bei horrenden Aufnahmegebühren und Jahres- beiträgen sowie eine Fangfreigabe von 3 Forellen pro Monat Angeln nicht für jedermann ist.
Als mir in einem Urlaub mit der Familie in Bad Lobenstein die Verbandszeitung des Thüringer Landesangelfischereiverbandes e.V., heuteLandesanglerverbandThüringene.V. in die Hände fiel, wurde ich durch einen Artikel auf die Angelfreunde Saalekaskade e.V. aufmerksam.
Ich nahm Kontakt zu der 1. Vorsitzenden Frau Ilona Grüner auf, um mich über eine Mitgliedschaft zu informieren. Unerwar- teter Weise wurden mein Sohn Mirko und ich sofort Mitglied und wurden gleich herzlich von allen aufgenommen.
Die Vereinsarbeit besonders die Arbeit mit den Jugendlichen ist in meinen Augen in Deutschland beispiellos. Davon könnten sich unsere Angelvereine bzw. Verbände eine Scheibe abschneiden.
Durch die Angelfreunde Saalekaskade e.V. hatten wir die vergangenen zwei Jahre die Möglichkeit an den Jugendangeltagen des Landesanglerverbandes Thüringen e.V. in Herbsleben teilzunehmen.
Ich kann nur sagen, was da jedes Jahr auf die Beine gestellt wird ist fantastisch und für jeden Teilnehmer ein besonderes Erlebnis. Mein Sohn und ich sind einfach nur begeistert.
Ein umfangreiches, interessantes Rahmenprogramm, die Möglichkeit in einer so großen Gemeinschaft zu angeln und neue Freunde zu finden sowie viele tolle Angeltricks kennenzulernen ist einfach nur Klasse. Das leckere Essen vom Spanferkel bis hin zur Räucherforelle oder das tolle Mittagessen aus der Gulaschkanone waren einfach nur spitze. Trotz intensivem Angelns und sportlichem Zielwerfen auf die Arenbergscheibe haben wir an diesen beiden Tagen sicherlich einige Kilos zugenommen.
Der Landesanglerverband Thüringen e.V. hat diese Jugendveranstaltung wirklich super organisiert und durchgeführt. Es hat den Kindern und Jugendlichen an nichts gefehlt. Ich kann mir vorstellen, dass die Organisation einer so tollen Veranstaltung viel Arbeit macht, ja einen riesigen Aufwand bedeutet.
Darum möchte sich mein Sohn und ich auf diesem Wege herzlich beim Landesanglerverband Thüringen e.V., aber auch beim Vorstand der Angelfreunde Saalekaskade e.V. von denen wir als „Ausländer“ so herzlich aufgenommen wurden, recht herzlich bedanken.
Wir freuen uns schon sehr auf die nächsten gemeinsamen Veranstaltungen im Verein und beim Landesverband sowie auf die vielen erlebnisreichen Angeltage an den Thüringer Gewässern.
Viele Grüße und Petri Heil aus Nordrheinwestfalenb von Thorsten und Mirko Hegenberg
24.03.2011 | Fischarten- & Gewässerschutz
Kleingewässer sind wichtige Strukturen in unserer mitteleuropäischen Landschaft. Sie haben eine hohe ökologische Bedeutung für zahlreiche ans Wasser gebundene Tier– und Pflanzenarten und bereichern das Landschaftsbild. In den vergangenen Jahrhunderten und bis heute erfolgt aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus allerdings vielfach immer noch die Trockenlegung und das Verschütten zahlreicher dieser kleinen Sölle, Weiher und Tümpel.
Auch die Grundwasserabsenkung im Zusammenhang mit Baumaßnahmen oder Bergbau spielt eine große Rolle. Im Zuge der Überdüngung der Landschaft gelangen zu viele Nährstoffe in diese Kleingewässer. All dies hat Auswirkungen auf die jeweils in den Gewässern anzutreffende Fauna und Flora. Auch spielen die Periodizität der Wasserführung, die Ufervegetation und die Landnutzung in der Umgebung hierfür eine wichtige Rolle.
Die meisten sehr flachen Gewässer erwärmen sich schnell und bieten unter den Tieren insbesondere bestimmtem Mollusken-, Insekten- und Amphibienarten Lebensmöglichkeiten.
Viele dieser Kleingewässer sind nährstoffreich. Die wenigen nährstoffarmen haben eine besonders hohe Bedeutung für den Naturschutz, da nur hier konkurrenzschwache Pflanzenarten gedeihen können. Die verschiedenen Mikrostrukturen dieser Kleingewässer wie Verlandungsbereich, Schwimmplattzonen, wenig bewachsene Schlamm– oder Kiesbänke, werden von ganz speziellen Lebensgemeinschaften besiedelt.
So können an Kleingewässern ganz verschiedene Groß- und Kleinlibellen beobachtet werden, die besonders empfindlich auf Verschlechterung ihrer Lebensgrundlagen reagieren.
Entgegen nicht ausrottbarer Vorurteile können Libellen im Übrigen nicht stechen, sie ernähren sich von Mücken, Fliegen und anderen Insekten, die im Fluge gefangen werden. Somit tragen sie zum ökologischen Gleichgewicht bei. Die häufig über Gewässern besonders intensiv fliegenden Insekten locken natürlich auch Fledermäuse an, die dieses gute Nahrungsangebot zu nutzen wissen. Auch die Vogelwelt benötigt die kleinen Wasserflächen als Nahrungs- und Rastplätze, selbst Bruten kommen vor.
In gewässerarmen Gebieten kann es sinnvoll sein, durch die Anlage von Kleingewässern wasserabhängigen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum zu bieten. Wichtig sind jedoch die richtige Wahl des Standortes sowie notwendige Absprachen mit Behörden und Eigentümern.
Mit entsprechender Geduld kann spätestens nach einigen Jahren mit der Ansiedlung speziell angepasster Organismen der Erfolg dieser Maßnahme beobachtet werden. Als Projekt für Kinder und Jugendliche würde dies das Verständnis für die biologischen Abläufe in und am Wasser steigern. Ein Beispiel dafür ist auch der am 13. Juni 2008 in Erfurt mit Schülern des Albert-Schweizer-Gymnasiums durchgeführte „Tag der Artenvielfalt“. Die erfolgreiche Organisation dieser von der Zeitschrift GEO initiierten Aktion übernahm der TLAV (siehe Ausgabe 2/2008).
Da Kleingewässer auch besonders wichtige Lebensräume für Amphibien sind, führen der fortschreitende Straßenbau und die Versiegelung der Landschaft zu erheblichen Problemen im Zusammenhang mit deren Laichwanderungen. Der Neubau einer Straße zerschneidet unter Umständen die traditionellen Wanderrouten, welche ehemals durch Gärten oder Ackerland führten. Die Amphibienwanderungen beginnen im März oder Anfang April, wenn die Nachttemperaturen nicht mehr unter 5 o C absinken. So kommt es vor, dass in einer einzigen Nacht Tausende Kröten auf einer neu angelegten Straße zu Tode kommen. Eine weitere Wanderungswelle betrifft die das Gewässer nach der Metamorphose verlassenen Jungkröten.
Diese findet in Thüringen meist zwischen Ende Juni und Mitte Juli statt. Die Jungkröten messen nur 1 cm und sind daher außer durch den Straßenverkehr vielfältigen anderen Gefahren, z.B. durch Beutegreifer, ausgesetzt. Um wenigstens die Verluste auf den Straßen gering zu halten, sind technische Lösungen unverzichtbar.
So können beispielsweise ortsfeste Amphibienschutzanlagen installiert werden, die jedoch sehr teuer sind. Nicht so kostspielig sind Schutzzäune mit Fangeimern. Hier sind jedoch das jährliche Aufstellen und Abbauen sowie die Betreuung aufwendig. Als Leitbahnen werden meist Plastikfolien verwendet.
Zur Hauptwanderzeit sind täglich bis zu drei Kontrollen notwendig, um die Fangeimer zu leeren. Leider werden die Hinweisschilder zu Amphibienschutzanlagen, meist mit zeitweisen Geschwindigkeitsbegrenzungen gekoppelt, von vielen Fahrzeugführern ignoriert.
Neben dem Straßenverkehr besteht für die Amphibienlaichgewässer gerade im Erfurter Umfeld ein weiteres Problem. Trotz Pressekampagnen und ohnehin generellen Verbots werden Fische, so insbesondere auch Goldfische, in Kleingewässern illegal eingesetzt.
Diese fressen neben Amphibienlaich auch die jungen Kaulquappen vieler Lurcharten und schädigen die Lebensgemeinschaften dieser Biotope nachhaltig.
Jörg Rainer Trompheller, Erfurt