24.03.2017 | Angelmethoden
An einem Fluss zu angeln, ist mit dem Angeln in stehenden Gewässern kaum zu vergleichen. Ich habe die Elbe für mich als Angelrevier entdeckt. Sicher ist der Strom mit anderen großen Flüssen in Deutschland vergleichbar und dennoch hat jeder seine Eigenart. Ist die Elbe im Oberlauf ein kleinerer, im Wasserstand stark schwankender und launischer Fluss und im Unterlauf bei Hamburg eine den Gezeiten anhängige Dame, so ist sie hier im mittleren Flusslauf groß, breit und beeindruckend. Deshalb sollte man dem Fluss auch und vor allem als Angler Respekt entgegen bringen und auf keinen Fall leichtsinnig sein.
Meine Angeltouren führen mich oft mit dem Boot auf die Elbe hinaus. Nicht unbedingt, um vom Boot zu angeln, sondern um so Buhnen zu erreichen, die vom Ufer aus nur schwer zugänglich sind. Beim Angeln auf Zander wie auf Aal muss man die richtigen Buhnen finden und jede ist immer etwas anders mit ihrem ganz bestimmten Charakter.
So gestaltet sich auch das Aalangeln anders als im See. Wer hier seine Rute mit dem Grundblei in den Strom wirft, wird oft Schneider bleiben. Denn man muss die Fische und ihre Gewohnheiten kennen. Den dicken Aalknüppel lasse ich seit geraumer Zeit zu Hause, nachdem ich unzählige Fehlbisse hatte. Nicht immer waren es die Wollhandkrabben, die hier die Aalglocke geläutet hatten. Mit straffer Schnur und starrer Rute zupft der Aal am Köder, spürt den Widerstand und lässt sofort wieder los.
Mit weicher Spitze geht’s besser
Viel besser haben sich Feederruten zum Aalangeln bewährt. Mit ihrer weichen Spitze spürt der Fisch den Widerstand nicht sofort. Wenn man dann die Schnur anders als gewohnt beim Feederangeln im Schnurbogen etwas locker lässt, sieht man zwar jeden Zupfer, der Aal spürt die Rute aber nicht. Wichtig beim Feedern auf Aal ist, dass man sich von bekannten Methoden und Montagen trennen muss. Eine Montage auf der ein Futterkorb oder ein Blei in einer Schlaufe läuft, an der gleichzeitig das Vorfach eingehängt ist, führt beim Aalangeln unweigerlich zu Verwicklungen, die sich nur schwer lösen lassen und oft einen kompletten Umbau zur Folge haben.
Meine Montage ähnelt eher der einer normalen Grundmontage. Ein Wirbel mit Einhänger läuft auf der Hauptschnur, eine kleine Perle und eine Gummiperle schützen den Knoten und sorgen dafür, dass die Schnur frei durch den Wirbel laufen kann. An einer Schlaufe sitzt der zweite Wirbel mit Einhänger, in den ein nicht zu langes Vorfach eingehängt wird.
Auswechselbare Bleie und starkes Gerät
Wenn man am Fluss mit der Feederrute erfolgreich sein will, sollte man ein breites Sortiment an Bleien dabei haben. Man weiß nie, was einen erwartet, wie tief man angeln muss und wie stark die Strömung ist. Ein Dreibein mit ausziehbaren Füßen gibt eine praktische und sichere Rutenablage auch auf den großen Granitsteinen der Buhnen. Als Hauptschnur verwende ich eine 30-ger Monofile oder eine 12er geflochtene Schnur. Bei einer geflochtenen Hauptschnur ein 35ger Vorfach, bei Monofiler Hauptschnur ein 25er bis 28er Vorfach mit einem nicht zu großen Haken. Als Köder setze ich hauptsächlich Tauwürmer ein. Weil die Wollhandkrabben aber zum Teil sehr aggressiv und hungrig sind, gibt es immer nur einen halben Tauwurm als Köder. Den schnappen sich nicht nur Aal und Co., sondern auch hin und wieder ein Wels oder ein guter Brassen. Meine Bleie haben je nach Strömung 40 bis 100 Gramm. Das heißt, man sollte stabile und kräftige Ruten verwenden, die auch einem halbstarken Wels zwischen 50 Zentimetern und mehr als einem Meter Parolie bieten können. Denn die Bartelträger gehören mittlerweile zum normalen Beifang in der Elbe. Nach Möglichkeit sollten die Ruten drei Meter oder länger sein, um die Montage mit oder ohne Fisch sicher über die Steinschüttungen am Buhnenrand führen zu können.
Mit den Fischen wandern
Am frühen Abend, so gegen 18 bis 19 Uhr, lege ich meinen Köder entweder an der Strömungskante mit der Strömung oder noch besser an der Strömungskante am Prallhang der Buhne aus. Hier kommen in der Regel der erste oder manchmal die ersten zwei bis drei Aale des Tages. Mit fortschreitender Dämmerung ziehen die Aale in das Flachwasser der Buhne. Weist die Strömungskante oftmals Wassertiefen zwischen drei bis fünf Metern oder mehr auf, so ist es am Ende der Buhne oft nicht tiefer als einen Meter. Hier gehen Breitund Spitzköpfe auf Nahrungssuche und hier muss ihnen mit zunehmender Dunkelheit der Köder angeboten werden. An schwülwarmen Sommerabenden, die vielleicht sogar schon etwas bedeckt sind, funktioniert das Aalangeln im Buhnenfeld am Besten. Wenn man sich am frühen Abend gleich mit seinen Feederruten in der Mitte der Buhne postiert, kann sowohl die Strömungskante wie auch den Flachwasserbereich am Prallhang der Buhne beangeln. Ich habe es oft erlebt, dass die Rute, die in der Mitte der Buhne bei drei Meter Wassertiefe lag, gegen Mitternacht keinen Biss mehr brachte, die Montage im Flachwasser dabei kaum zur Ruhe kam.
Am Anfang nur vorsichtiges Zupfen
Wer denkt, dass der Aal den Köder gierig verschlingt und dann ohnehin am Haken hängt, der irrt in diesem Fall. An der Feederrute erkennt man zuerst nur ein vorsichtiges Zupfen. Dann nehme ich die Rute auf und lasse etwa einen Meter schnur nach. Danach folgt ein zweites vorsichtiges Zupfen, das jetzt immer energischer wird. Plötzlich zieht der Fisch ab, die Feederspitze krümmt sich und jede Bewegung am Haken ist bis ins Handteil zu spüren. Jetzt wird der Anhieb gesetzt. Dabei muss man darauf achten, dass der Schnurbogen, der durch die Strömung unweigerlich gebildet wird, nicht zu groß ist. Vor allem bei der geflochtenen Schnur, kommt aber auch bei einem Schnurbogen der Anhieb immer durch. 90 Prozent der Aale, die ich auf diese Weise gefangen habe hatten den Haken vorn im Maul zu sitzen, in der Regel im Unterkiefer. Das zeigt deutlich, dass ein Großteil der Fische am „Aalknüppel“ nicht am Haken gezappelt hätten.
Die Alternative zum Tauwurm
Doch nicht immer muss man den Tauwurm als Köder zum Aalangeln verwenden. Unzählige Versuche mit Köderfischen in der Elbe zum Erfolg zu kommen, sind am Fressrausch der Krabben gescheitert. Als Alternative kann man aber auch Bienenmaden (Wachsmottenlarven) verwenden. Nicht nur große Brassen und kleine Bleie lieben diesen Köder. Auch der Aal kann dem Duft der Bienenmaden nicht widerstehen. Das Angeln mit den Bienenmaden hat den Vorteil, dass man nicht ganz so lange wie beim Tauwurmangeln mit dem Anhieb warten muss. Meistens kann gleich beim ersten energischen Zug angeschlagen werden. Egal ob Brassen oder Aal, der Fisch ist in der Regel sofort gehakt. Auch wenn man einen Fehlbiss hatte und nur noch ein Rest der Made am Haken hängt, kann man einfach eine zweite oder dritte auf den Haken ziehen. Zum Aalangeln mit Bienenmaden verwende ich kleine Wurmhaken. Sie verhindern, dass die Bienenmaden schnell vom Haken rutschen. Allerdings ist auch dieser Köder vor den Krabben nicht sicher.
Bissanzeiger in der Dunkelheit
In den vergangenen Jahren habe ich als Bissanzeiger im Dunkeln an der Feederrute gern Miniknicklichter verwendet. Sie wurden einfach mit Tesafilm an der Feederspitze befestigt und zeigten so zuverlässig jeden Biss an, ohne dabei beim Auswerfen zu behindern. Leider gibt es offensichtlich keine Miniknicklichter mehr. Weder Gerätehändler noch Versandhäuser konnten mir Miniknicklichter liefern. Deshalb verwende ich jetzt als Bissanzeiger die gemeine Aalglocke mit integrierter Knicklichthalterung. Ich montiere die Glocke an der Steckverbindung zwischen Feederspitze und Rute. Leider wird dabei nicht jeder Zupfer mehr ganz so zuverlässig angezeigt. Diese Art der Bisserkennung erfordert vor allem im Dunkeln viel Aufmerksamkeit. Aber es funktioniert dennoch. Ein leichtes Zittern des Knicklichtes und nur ein leichtes Kullern der Kugeln in der Aalglocke signalisieren den ersten zaghaften Biss. Bereits jetzt wird die Rute aus der Halterung genommen, etwas Schnur nachgegeben und jede Bewegung am Köder bis in den Rutengriff übertragen. Habe ich vor Jahren besenstielharte Ruten zum Aalangeln eingesetzt, so sind es jetzt ausschließlich die Feederruten mit dem starkem Rückrat und der federweichen Spitze.
Allerdings hat sich ein neues Problem aufgetan: Wo gibt es Ersatzspitzen für die Feederrute? Denn hin und wieder geben die bei zu großer Belastung und Dauerspannung durch die Strömung schon mal den Geist auf.
Thomas Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Die Blätter an den Bäumen färben sich bunt, die Nächte sind mehr kalt als kühl. Die Wassertemperatur sinkt und nicht nur wir spüren, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Auch die Raubfische in unseren Gewässern machen sich jetzt auf, den Winterspeck zu stärken. Das große Fressen hat begonnen.
Hechte verlassen ihre Standorte auf der Suche nach Futterfischen und auch die Barsche machen sich auf zum Beutezug. Sie lauern jetzt in größeren Gruppen unter den absterbenden Pflanzen, halten sich an abfallenden Kanten zum Flachwasser auf, um hier den Kleinfischen aufzulauern.
Typisch für tiefe und strukturierte Gewässer sind jetzt auch Massenfänge von Barschen. Denn der ausgeprägte Futterneid lässt die gestreiften Räuber unvorsichtig werden. Es regiert die Gier.
Da kann es auch schnell vorkommen, dass kleinere Artgenossen zur Beute werden. Barsche sind da nicht zimperlich. Um den Herbstbarschen auf die Schuppen zu rücken, gibt es jetzt zahlreiche Köder, die man einsetzen kann. Kleine Crankbaits, kugelförmige Wobbler kann man sehr schnell führen. Damit kann man jetzt größere Wasserflächen schnell absuchen. Fängt man hier einen Barsch, kann man mit kleinen Minnows, also kleinen, schlanken Wobblern, oder mit kleinen Gummifischen an der DropShot-Montage diese Stellen intensiver befischen.
Doubletten sind keine Seltenheit
Ich habe es in dieser Jahreszeit nicht selten erlebt, dass der Futterneid bei den Barschen so groß ist, dass mit unter an jedem der beiden Drillinge am Wobbler ein Barsch hing. Was beim Angeln mit Wobblern mitunter für Erstaunen sorgt, kann beim Angeln mit Gummifischen zum Ärgernis werden. Nämlich dann, wenn die Barsche in ihrer Gier den Gummifisch so attackieren, dass ständig die kleinen Gummischwänze abgebissen werden. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern mitunter auch recht teuer. Wer dem aus dem Weg gehen möchte, kann den Barschen am DropShot-Rig auch ruhig mal einen halben Tauwurm präsentieren. Ein über dem Grund etwas zappelnder Wurm macht jeden Barsch schwach, denn für so einen kleinen Snak zwischendurch sind auch die größeren Stachelritter immer zu haben.
Maß halten schont die Bestände
Vor allem zu dieser Jahreszeit ist es möglich, wenn man die richtigen Stellen gefunden hat, wahre Sternstunden beim Barschangeln zu erleben. So hatte ich im vergangenen Jahr, Ende Oktober, einen Angeltag, da kamen mehr als 150 Barsche bei zwei Anglern an einem einzigen Nachmittag ins Boot. Da heißt es dann Maß halten und nicht übertreiben. Wir als Angler dürfen uns dann von der Gier der Barsche nicht anstecken lassen. Oder: Wer will allen Ernstes behaupten, dass er 150 Barsche um die 30 cm komplett verwerten kann? Wir haben an diesem Tag 16 Barsche mit nach Hause genommen. Der Rest durfte wieder schwimmen mit einem netten Gruß an die Kollegen und dem Versprechen, dass man sich noch einmal trifft. Denn auch 16 Barsche dieser Größe sind ein ausreichender Fang für Pfanne und Räuchertonne.
Vorsicht! Grünschnäbel!
Bei der Barschangelei macht es besonders viel Spaß, mit leichterem Gerät ans Wasser zu gehen. Eine Rute mit bis zu 25 Gramm Wurfgewicht, eine leichte Stationärrolle mit einer 0,10 er geflochtenen oder einer 0,25 er monofielen Schnur sind da völlig ausreichend. Doch Vorsicht ist geboten. Wo die Barsche rauben und fressen, sind mitunter auch die Hechte nicht weit. Man kann auch mit dem beschriebenen, leichten Gerät, einen mäßigen Hecht landen. Man sollte aber mindestens ein 40er Fluocarbonvorfach nutzen, um für sich zumindest die Chance zu wahren, den Grünschnabel auch wirklich ins Keschernetz zu bekommen. Sollte sich ein Hecht auf unseren Barschköder stürzen, heißt es vor allem Ruhe bewahren. Unsere leichte Barschrute federt die ersten Fluchten des Hechtes ab, eine richtig eingestellte Bremse tut ihr Übriges dazu. Wenn man jetzt langsam und mit Bedacht drillt und den Hecht langsam in Richtung Ufer lotst, wird der Fang auch gelingen. Sicherlich gehört auch immer etwas Glück dazu, einen Hecht am Barschgeschirr zu landen. Aber in den meisten Fällen kann auch das gelingen. Noch ein kleiner Tipp: Wem das Schuppen der Barsche zu mühselig ist, der kann die Barsche auch einfach mit etwas kochendem Wasser übergießen und die Fischhaut samt Schuppen abziehen. So ist man einem leckeren Barschfilet gleich ein ganzes Stück näher
Th. Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Als es für mich vor vielen Jahren zum erstem Mal an die Küste zum Heringsangeln ging, gab mir ein Angelfreund einen guten Rat: „Nimm die weißen Paternoster, nur die mit echter Fischhaut und dann musst du immer so reißen mit der Rute.“
Der erste Versuch, Heringe damals noch im Rostocker Überseehafen zu fangen, ging gründlich daneben. Ein ganzer Angeltag brachte gerade mal fünf Heringe. Heute, gut 15 Jahre später, hat sich so mancher Kübel mit den Heringen gefüllt. Doch von dem guten Ratschlag des Angelfreundes von damals ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Denn es hat sich gezeigt, dass die weißen Fischhaut-Paternoster nicht unbedingt die beste Wahl sind. Um den Beweis für diese Erkenntnis anzutreten, haben wir verschiedene Paternoster getestet, und festgestellt: Sowohl das Paternoster als auch die Köderführung entscheiden darüber, wie voll der Eimer am Ende wird. Heringe zu fangen, wenn der Fisch gestapelt im Hafen steht, ist keine Kunst. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die Heringe zum Anbiss zu überreden, wenn sie eigentlich gar nicht so richtig beißen wollen. Zuerst ist da die Köderführung. Viele Heringsangler reißen die Paternoster förmlich mit einer langen Rute in die Höhe und lassen sie dann wieder absinken, in der Hoffnung ein Hering schnappt sich einen der Köder. Dabei bringt eine langsame Köderführung meistens mehr Fische.
Strömung beachten
An der Küste und in den Häfen gibt es immer Unterströmungen von auflaufenden und ablaufendem Wasser, und auch der Wind spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wie beim Angeln mit Kunstködern im Süßwasser setzt setze ich beim Heringsangeln gern die Faulenzermethode ein. Ich arbeite also nur über die Rolle und halte die Rute weitgehen still. Das Blei liegt auf dem Grund, die Schnur wird einfach straff gehalten. Durch die Strömung im Wasser tänzeln die einzelnen Seitenarme mit den Ködern des Paternosters über dem Grund. Ganz langsam Stück für Stück wird das Paternoster heran gekurbelt und nur leicht gezupft. Dann der erst. Kontakt: Tok. Der Fisch hängt und ich spüre den leichten Zug. Wer jetzt noch einen Moment warten kann, holt vielleicht auch noch den zweiten oder dritten Hering mit ans Paternoster. Ganz langsam wird die Montage mit Fisch heran gekurbelt und oft fasst noch ein zweiter oder dritter Artgenosse zu, um den ersten Zubeißer in den Eimer zu begleiten. Manchmal sind die Strömungen aber auch sehr stark. Zum Beispiel auf dem Rügendamm kann der Wind einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Hier habe ich dann zum Teil mit einem 80 Gramm Birnenblei gefischt, um die Montage am Grund zu halten. Leichtes zupfen hat dann schon gereicht, damit die Fische zum Biss verleitet werden. Nimmt man ein zu schweres Blei, kann man aber schnell an den Heringen vorbei angeln. Dann nämlich, wenn sie in großen Schwärmen im Mittelwasser ziehen. Dann finden sie unseren Köder am Grund natürlich nicht. Für den Fall haben sich leichte Heringsbleie von 35 Gramm aber auch leichte Blinker bewährt. Sie trudeln nur langsam an der straff gespannten Schnur zum Grund und taumeln dabei länger als ein schweres Blei zwischen den ziehenden Heringen, die dadurch mehr Zeit haben, sich unseren Köder zu schnappen.
Farbenspiele
Nicht immer sind die einfachen, weißen Paternoster der Bringer, um den Heringseimer zu füllen. Ich habe nun schon einige Tage an der Küste erlebt, an denen die Angler dicht an dicht standen, aber nur einige von ihnen wirklich gut gefangen haben. Der Grund dafür war wirklich der Paternoster. Farbige Paternoster aus Silikonfolien, manchmal noch mit kleinen Glitzerstreifen garniert, haben an vielen Tagen deutlich mehr Fische in meine Kiste gebracht als die weißen der benachbarten Angler. Es ist dann schon erstaunlich mit anzusehen, wie die Angelkollegen immer nervöser und hektischer werden, wenn man einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zieht und bei ihnen der Haken leer bleibt. Einige haben dann verzweifelt die Stele gewechselt. Anderen habe ich ein Paternoster geliehen und siehe da: Auch bei ihnen bissen die Heringe plötzlich. Woran diese Farbenfreude der Heringe liegt, kann ich nicht genau sagen. Bei hellem Wetter funktionieren die farbigen Paternoster jedenfalls deutlich besser und bringen zum Teil dreimal so viel Hering wie die einfachen, weißen Heringspaternoster mit der Fischhaut in die Kiste. Vor allem auf dem Rügendamm , wo die Angler zur Saison Schulter an Schulter stehen, sind die Unterschiede sehr deutlich.
Fische suchen
In vielen Bereichen der Ostsee muss man die Heringe immer wieder suchen. Ich erlebe das zum Beispiel an der Rostocker Warnow. Mal sind die Fische im Bereich des Stadthafens, mal viel weiter Stromab. Mal stehen sie am Rande der Fahrrinne und mal im Meter tiefen Wasser direkt an den Schilfkanten. Wenn man sich hier eine halbe Stunde an einer Stelle aufgehalten hat, ohne einen Hering am Band gehabt zu haben, sollte man die Stelle wechseln. Im Frühjahr gibt es vor allem in Rostock regelrechte Heringswanderungen der Angler an den Ufern. Die Angler sind mit Mofas, Fahrrädern und Autos ununterbrochen unterwegs, um auszukundschaften, wo sich die Fische aufhalten und wo gerade gefangen wird. Um sich selbst die Suche zu erleichtern, sollte man mit den anderen Heringssuchern ruhig einige Worte wechseln. So findet man schnell heraus, wo sich ein Versuch lohnt und welche Stellen man besser gar nicht anfährt. Erfahrungsgemäß beißen die Heringe vor allem in den Morgen- und Abendstunden am besten. Aber auch tagsüber kann immer mal wieder ein starker Schwarm hereinkommen und ganz schnell 30 oder 40 Fische in die Kiste bringen. Man kann beim Heringsangeln Sternstunden erleben, aber auch hin und wieder Schneider bleiben. Auf jeden Fall ist eines sicher: Auch das Heringsangeln ist nicht kinderleicht und der Hering kein dummer Fisch, dem man nur irgendein Paternoster vor die Nase zu werfen braucht, damit er sich wie von Sinnen drauf stürzt. Auch der Hering will nach allen Regeln der anglerischen Kunst verführt werden, bevor er sich als Lohn der Mühe in unsere Fischkiste gesellt und anschließend in der Pfanne gebräunt oder im Rauch vergoldet wird.
Thomas Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Die große bunte Vielfalt – Teig rettet manchmal den Angeltag. Wer kennt ihn nicht, den Angelteig. Als Knirps hat sicher jeder schon mal schnell ein Brötchen mit Wasser zusammengeknetet und die klebrige Masse an den Angelhaken gesteckt. Kleben war da manchmal wirklich das richtige Wort, denn nicht immer gelang dieser Brötchenteig. Mit den Jahren habe ich meine Teigherstellungsfertigkeiten immer mehr verfeinert und noch heute, viele Hecht- und Karpfensaisons später, fahre ich nie ohne etwas Teig in der Tasche ans Gewässer.
So manchen Angeltag konnte mir der Kleber bereits retten, auch dann wenn Mais, Made und Rotwurm keinen Erfolg mehr brachten. Für meinen Basisteig mische ich einen Teil Semmelmehl und einen Teil Weizenmehl, gebe eine Prise Zucker dazu und dann etwas Wasser. Ich kann das Rezept nicht auf´s Gramm wiedergeben, da gehört einfach Übung und Erfahrung dazu. Aber diese Grundrezeptur ist schnell zubereitet, kostengünstig und bringt immer Plötze, Blei und Karpfen an den Haken. Wer tiefer in das Thema Teig einsteigen möchte, kann natürlich jede Menge experimentieren. Und das ohne in den Angelladen zu gehen. Denn alles was man dazu braucht, findet man in der Küche. So kann man mit Lebensmittelfarbe dem Teig jede beliebige Farbe geben. Ob Rot, Blau oder Grün, alles ist da denkbar. Die Farbe ins Wasser mischen und damit den Teig zusammenkneten. Viel flexibler als bei den Farben ist der Geruch, den wir dem Teig verleihen können. Da kann alles rein, was die Gewürzmühle hergibt. Knoblauch oder Anis, Zimt oder Ingwer, Pfeffer, Vanillearoma oder was einem gerade in die Hände fällt. Sie werden erstaunt sein, worauf Fische so stehen. Nach meiner Erfahrung kommt Anis sehr gut an, aber auch Knoblauch mögen die Fische überraschend gern. Immer wieder sehr gern genommen von unseren schuppigen Feinschmeckern ist der Ingwer. Fruchtig scharf scheinen Plötze und Co. zu mögen. Wer Gewürze in seinen Teig geben will, sollte dies in mindestens doppelter Dosis tun, wie für den menschlichen Verzehr. Denn im Wasser verlieren unsere Gewürze an Intensität. Wer möchte kann in seinen Angelteig auch künstliche Lockstoffe und Aromen beimengen. Allerdings hat hier die Erfahrung gezeigt, dass diese im Wasser sehr schnell auslaugen. Um dem Teig noch etwas mehr Geschmeidigkeit zu verleihen, kann man etwas Öl in die trockene Masse geben. Durch diese wenigen Tropfen Öl hält unser Teig etwas länger am Haken. Ich halte den Angelteig für den Besten Einstiegsköder in die Angelei, der alles kann und jeden Fisch fängt. In früheren Jahren haben wir unserem Angelteig Blutmehl beigemengt und haben damit dann auch gute Barsche gefangen. Der Teig hat als Angelköder eine sehr lange Geschichte und auf ihn gehen zum Beispiel die heute bekannten Boilies zurück. Anfang der 40ger Jahre haben Angler an der Oder mit Teig auf Karpfen geangelt. Auch wegen der Strömung hielt der aber nicht lange am Haken. So wurde ein Teig aus Gries und anderen Zutaten geknetet, ausgerollt, geschnitten und in Wasser gekocht. Nun hatte die Stärke im Grieß gebunden und der Köder löste sich nicht mehr auf. Nach dem Krieg nahmen englische Soldaten diese Angelmethode mit in die Heimat und entwickelten sie hier weiter, bis der gekochte Grießteig als Boilie in tausenden Farben, Formen und Größen zu uns zurück kam. So wie hier beschrieben kann aber auch jeder seinen eigenen Karpfenköder formen. So vielfältig die Herstellung des Teiges als Köder ist, so unterschiedlich kann man ihn den Fischen präsentieren. Da gibt es die kleine Kugel auf der Hakenspitze, oder die flach gedrückte Kugel, die wie eine Hafer- oder Brotflocke beim Absinken zu Boden taumelt. Oder der Tropfen, der den Hakenbogen und den Schenkel bedeckt und für größere Fische bestimmt ist. Ich habe Angeltage erlebt, da wollten die Brassen weder Tauwurm, Made oder Mistwurm. Nur der süße Teig der ihnen am Grund angeboten wurde, fand bei den Fischen Gefallen und führte sie direkt in meinen Kescher. Teig als universeller Köder ist damit mehr als nur etwas für kleine Leute, für Petrijünger und Anfänger. Anders als beim Angeln mit Naturködern darf man beim Angeln mit Teig nicht lange mit dem Anhieb warten. Wenn sich der Bissanzeiger bewegt sofort anschlagen. Der Haken sitzt in der Regel im vorderen Bereich des Fischmaules. Karpfen oder Schleien können den Köder auch schon mal tiefer einsaugen. Aber auch am Grund gefischt kann unser Angelteig gute Brassen in den Kescher bringen.
Ich habe unlängst farbigen Teig getestet. Dieser war in seiner Grundrezeptur völlig gleich. Nur die Farben waren unterschiedlich. Gelb, Grün, Blau und Rot habe ich den Teig mit Lebensmittelfarbe eingefärbt. Der Futterplatz wurde angelegt, mit der Matchrute ging es frisch ans Werk. Mal wurde der gelbe Teig angeködert, dann wieder eine andere Farbe. Das Angeln mit Teig ist sehr kurzweilig. Denn entweder fressen Kleinfische den Köder ab oder wenn dieser zu lange unbeachtet im Wasser bleibt, löst er sich ganz einfach vom Haken. Das Resultat des Kleinen „Teigtestes“ gegen mich selbst am selben Angelplatz war recht verblüffend. Gute Erfolge erzielte ich mit dem Gelben und dem roten Teig. Grün und Blau wollten die Fische so gut wie gar nicht, obwohl die Zusammensetzung identisch war. Das heißt: Es kommt nicht immer auf die Zutaten an, sondern offenbar auch nicht unwesentlich auf die Farbe der Köder.
Allerdings, und das muss ich zugeben, habe ich noch bei keinem Wettkampfangeln Teig als Köder gesehen. Vielleicht sind da einige nicht mutig genug und na Geja, vielleicht kann er auch nicht ganz so gut gegen Maden und Pinkis mithalten. Auf jeden Fall ist unser Angelteig es aber wert, öfter mal über ihn nachzudenken und hin und wieder etwas neues zu probieren. Es muss ja nicht gleich beim Wettkampf sein. Aber in jedem Fall ist Angelteig eine Alternative und vor allem bietet er uns Anglern die Möglichkeit unheimlich kreativ zu sein und hinter her das Geheimnis des Erfolges ganz für uns zu behalten. Dann war da nur „Teig“ am Haken, als der Große anbiss. Die Zutaten bleiben dann ein gut gehütetes Geheimnis.
Thomas Bein
24.03.2017 | Angelmethoden
Zander mit Gummiködern zu fangen ist nicht neu. Doch die meisten Zanderfänge mit den unterschiedlichsten Gummiködern werden in Flüssen und Kanälen gemeldet. In einem stehenden Gewässer, einem See oder Stausee sind regelmäßige Zanderfänge auf Gummiköder eher selten. Hier wird den Stachelrittern meistens der Köderfisch oder der Fetzenköder angeboten. Vorraussetzung für regelmäßige Zanderfänge sind gute Gewässerkenntnisse, sagt Marco K. Er hat gut ein Jahr gebraucht, um an seinem Hausgewässer, einem mehr als 200 Hektar großen Stausee, die Hot Spots zu finden. Dazu waren unzählige Fahrten mit dem Boot notwendig, um mit dem Fischfinder den Gewässergrund zu erkunden und die guten Stellen zu finden.
Abfallende Steinschüttungen, Steilufer die sich unter Wasser fortsetzen, Barschberge und anglerische Hindernisse im Wasser sind die Stellen an denen Marco heute auf Ansage seine Zander fängt. Und das nicht vom Boot, sondern meistens als Uferangler. Um die Hot Spots zu erreichen, sind einige Dinge absolut notwendig: Der richtige Köder und die richtige Wurfweite. Wurfweite heißt hier wirklich Weite, denn wenn man die guten Stellen nicht erreicht, gibt es auch keinen Fisch. Das Problem ist wirklich, die guten Stellen zu finden und mit dem Köder zu erreichen. Mit einer brettharten Rute fischt Marco eine zehner geflochtene Schnur. Die Bleiköpfe variieren dabei stark. Mal hängt nur ein drei Gramm Kopf am Haken, mal sind es bis zu 15 Gramm.
Je nach Jahreszeit
Die Zander stehen nicht immer am Grund. Deshalb fischt Marco mal einen Gummifisch von fünf Zentimetern am drei Gramm schweren Bleikopf, der nur hin und wieder den Grund erreicht. Wenn die Zander jagen, wird der Gummi zügig eingekurbelt und nur hin und wieder mit einem kurzen Stop eine kurze Sinkphase eingeleitet. Dann geht’s mit hoher Geschwindigkeit weiter. Bei dieser Technik steigen nicht nur Zander ein. Auch Hecht und Barsch nehmen den flüchtenden Gummifisch sehr gern. Am Tage bei Sonnenschein sind dabei eher naturgetreue Nachbildungen angesagt, bei bedecktem Wetter steigen die Räuber gern auf helle Köder ein.
Wetterfühlige Fische
Doch manchmal passiert auch an den besten Stellen gar nichts, manchmal ein, zwei Wochen lang. Vor allem die Zander scheinen sehr wetterfühlig zu sein. Ihnen ist es aber offensichtlich egal, ob der Luftdruck hoch oder niedrig ist. Zander wollen einen stabilen Luftdruck, der sich nicht ständig ändert. Das heißt, es gibt kein gutes oder schlechtes Zanderwetter. Es muss lediglich beständig über einige Tage gut oder schlecht sein.
Am Grund sind Stachelritter
Wenn Marco am Grund die Gummis tanzen lässt, dann eher mit größeren Bleiköpfen um die zehn Gramm. Trotzdem muss der Gummi auf Weite kommen. Die Köder, in der Regel um die acht Zentimeter groß, holt der Zanderspezi nur ganz langsam und Stück für Stück ein. Die Rute hält Marco dabei fast parallel zur Wasseroberfläche. Eine Kurbelumdrehung, warten. Eine Kurbelumdrehung, warten. Plötzlich schnellt die Rute nach oben und krümmt sich. „Da hat doch noch einer Hunger“, sagt der Zanderspezi schmunzelnd. Die Polibrille gehört bei dieser Art des Angelns zur Grundausstattung. Auch wenn der Himmel bedeckt ist, lassen sich manche Bisse nicht in der Rute erspüren, sondern werden nur durch die Schnur angezeigt. Die Polibrille hebt die Wasserspiegelung auf und lässt so jede unnormale Veränderung an der Schnur besser sichtbar werden.
Wackelt nichts, beißt nichts
Die Größe der Bleiköpfe ist im Stausee fast zweitrangig, wichtig ist eine richtige Köderpräsentation. Der Gummi muss laufen, sich bewegen. „Das Problem hier im Stausee ist, dass der Zander nicht jeden Fisch fressen muss, der ihm um die Nase schwimmt. Das ist im Fluss anders. Aber hier kann er warten, hat er Zeit. Die meisten Zander haben sich auf die Uckelei eingestellt. Da muss man die Zander dann schon mal sehr überzeugen, etwas anderes zu probieren“, sagt Zanderprofi Marco. An der geflochtenen Schnur ist ein Einhänger befestigt, hier hängt ein 30ger Hardmono-Vorfach und daran an einem weiteren Einhänger der Köder. So gibt es wirklich keine Dehnung in der Schnur und kein Spiel für den Köder. An den Bleikopf kommen hier aber zum Beispiel kaum noch die sehr verbreiteten Kopytos. „Der Wackelschwanz bewegt sich zwar sehr gut, ist aber zu groß und bei den weiten Würfen verhakt der sich immer im Haken. So funktioniert das natürlich nicht“, sagt Marco. Im stehenden Gewässer sind anders als im Fluss nicht nur Laufeigenschaften, sondern auch Flugeigenschaften der Köder gefragt.
Basteln ist angesagt
Wenn ein Köder nach sechs oder sieben Würfen keinen Fisch gebracht hat, heißt es Köderwechsel. Weil den Zandern immer wieder etwas Neues präsentiert werden muss, wird da schon hin und wieder gebastelt. Twisterschwänze werden an den Kopyto geklebt und so mancher Gummiköder bekommt ein ganz individuelles Design. Wackelschwänze mit dem großen Teller werden gegen breite Twisterschwänze getauscht. Mit der Schere abgeschnitten, mit dem Feuerzeug kurz heiß gemacht, kann man direkt am Wasser seiner Kreativität freien Lauf lassen. Dabei entstehen nicht nur immer wieder neue Formen, sondern auch immer wieder neue Farbvarianten. Köderwechsel: Kopyto mit gelbem Twisterschwanz und gleich nach dem ersten Wurf ist die Rute wieder krumm. Wieder hat sich ein Zander zum „Kosten“ überreden lassen und hängt am Haken. Dabei ist es offenbar nicht so wichtig, die Natur zu imitieren, sondern den Zandern immer wieder etwas Neues anzubieten. Dass das wirklich funktioniert, konnte Marko eindrucksvoll unter Beweis stellen. An drei Angeltagen konnte er 12 Zander landen, der größte knackte die 90-Zentimeter Marke. Auch einige gute Barsche ließen den Köder dabei nicht unbeachtet vorüber ziehen. Sie hatten Größen zwischen 25 und 40 Zentimeter. Leider können wir hier nicht das obligatorische Fangfoto präsentieren, denn die Zander sind alle wohlbehalten in ihrem Element. „Wenn ich alle Fische, die ich im Jahr fange, verwerten würde, wäre der See bald leer. Wenn ich nur hin und wieder einen Fisch entnehme, kann sich ein guter Bestand aufbauen, denn nicht nur ich und andere Angler sind hier aktiv, sondern auch der Fischer mit Reusen und Netzen“, sagt Marco. Wie bei ihm scheint sich bei einigen Anglern ein Umdenken zu entwickeln, nicht jeden mäßigen Fisch abzuschlagen, sondern bewusst mit den Beständen umzugehen. Zander in stehenden Gewässern mit Kunstködern zu beangeln, funktioniert also, es ist aber deutlich schwieriger als in Flüssen oder Kanälen, in denen manchmal ein einziges Seerosenblatt den Unterschied zur Umgebung ausmacht und so zur guten Stelle wird. Im See haben die Fische viele Stellen, an denen sie sich aufhalten können und müssen, nicht jeden Köder nehmen – hier ist eben der Verführer gefragt und manchmal sind es eben die Feinheiten und Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen, so zum Beispiel manchmal nur einige Meter Wurfweite. Die Gesamtkomposition von Rute, Schnur und Köder muss dabei ganz einfach stimmen. Dann klappt es auch regelmäßig mit den Zandern in den Seen.
Thomas Bein