19.06.2013 | DAFV: Einheit der Angler in Deutschland
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Präsidiumsmitglieder des DAFV,
geschätzte Kollegen der Regional- und Landesverbände,
als kleiner Regionalverband verfolgen wir die Entwicklungen im DAFV mit Interesse und Nachhaltigkeit. Die Anfeindungen und Mißstimmungen in der vergangen Zeit nehmen wir mit großem Bedauern zur Kenntnis.
Persönlich finde ich es mehr als traurig, dass einige von Ihnen scheinbar davon ausgegangen sind, dass die Mißstände in der öffentlichen Wahrnehmung der Angelfischerei innerhalb so kurzer Zeit seit der Verschmelzung der Verbände DAV und VDSF, zu beseitigen wären.
Was die beiden Vorgängerverbände und die gesamten Angelfischer als deren Mitglieder und Förderer über Jahrzehnte versäumt haben, kann schlichtweg in einer so kurzen Zeit nicht geheilt werden. Dass darüber hinaus auch noch die Rückendeckung des neuen Dachverbandes durch einzelne Mitgliedsverbände verweigert, unterlaufen und blockiert wird – egal ob dies durch Austritt, Beitragseinbehalte oder andere Maßnahmen geschieht – ist mehr als peinlich und spricht leider mal wieder für den mangelnden Zusammenhalt der Angelfischerei, was die vorangegangene Fusion eigentlich gerade nicht bewirken sollte.
Wenn sich alle Besserwisser mal an die eigene Nase fassen und sich fragen was Sie selbst für die positive Wahrnehmung der Angelfischerei in den vergangenen Jahren getan haben, werden diese doch hoffentlich feststellen, dass man alleine gar nichts erreicht hat. Wenn dann nur im Verbund oder durch die Unterstützung anderer.
Dass alle an der Fusion beteiligten Verbände und Förderer bereits zum damaligen Zeitpunkt wussten, dass die vertraglichen Vereinbarungen im Verschmelzungsvertrag und die entsprechenden Besitzstandswahrungen einzuhalten sind, muss ich an dieser Stelle eigentlich nicht betonen – umso mehr verwundert es einen zu lesen, wie einige unter Ihnen diesen Sachverhalt zu ignorieren scheinen. Das eingefahrene Strukturen nur langsam angepasst werden können, dürfte auch jedem unter Ihnen bekannt sein.
Die Rückstrittsforderungen an die Präsidentin sind nicht nur unverschämt sondern auch anmaßend und sachverfehlt.
Die bisherige Arbeit des neuen Präsidiums ist nach unserer Auffassung bisher zielgerichtet und sicherlich auch mit Plan und Nachhaltigkeit angelegt. Das in einem so großen Puzzle, das es zu bewältigen gibt, ein Teil nach dem anderen hinzugefügt werden muss, um zum Zeitpunkt X ein Gesamtbild präsentieren zu können, haben manche wohl vergessen. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und es nicht davon auszugehen, dass die Angelfischerei zu irgendeinem Zeitpunkt genauso wichtig und nachhhaltig wahrgenommen wird, wie der Tier- und Naturschutz. Darüber sollten wir uns klar werden.
Es gilt die Angelfischerei auf nationaler und internationaler Ebene als Bestandteil des Natur- und Artenschutzes zu etablieren und hierfür scheint uns die amtierende Präsidentin die richtige Person zu sein.
Wer der Präsidentin die Ermangelung einer hervorragenden Sachkenntnis unterstellt, sollte sich überlegen, ob dies die gewünschte Aufgabe der Präsidentin ist! Für was werden dann entsprechende Fachkräfte beschäftigt und sind qualifizierte Präsidiumsmitglieder vorhanden, wenn Sie die Präsidentin nicht entsprechend in Fachfragen unterstützen.
Ferner möchte ich einen der vorangegangen Kritiker und Mailverfasser sehen, der in seinem Amt als Präsident ALLES weis und nicht auf die Unterstützung seiner Präsidiumskollegen angewiesen ist.
Es ist ein Trauerspiel und ein Armutszeugnis der Angelfischerei, wenn man sich gegenseitig anfeindet, trangsaliert und Entwicklungen blockiert, solange wir parallel mit Anzeigen von PETA und anderen militanten und falsch gelebten Naturschutzgruppierungen belastet werden.
Ich kann allen Verbänden nur wärmstens empfehlen, dem DAFV als unseren nationalen Dachverband, endlich den nötigen Rückhalt und die erforderliche Unterstützung zukommen zu lassen. Ein Scheitern wäre nur wieder Futter für alle Gegner der Angelfischerei.
Kritik und Verbesserungsvorschläge sind sicherlich nicht verboten, sondern auf fachlicher Ebene auch erwünscht – gleiches wünsche ich mir von meinen Mitgliedern auch – aber ohne entsprechende Unterstützung und Förderung kann man sich die Kritik auch sparen.
Ich hoffe einige von Ihnen überdenken ihre Einstellung hierzu nochmals!
Letztendlich gilt noch anzumerken, dass ich ein leidenschaftlicher Angler bin – wie alle Mitglieder meines Verbandes. Wenn man die Foren der Angelfischerei im Internet und auch andere Medien verfolgt – bleibt es einem leider nicht erspart über die eine oder andere Berichterstattung – selbst als leidenschaftlicher Angler – skeptisch nachzudenken. Futter für die Gegner der Angelfischerei gibt es da reichlich.
Es wäre für uns alle wohl vielmehr an der Zeit, auf unsere eigene Zunft einzuwirken als uns gegenseitig zu blockieren.
Mit freundlichen Fischergrüßen
Jürgen Hauck / Präsident
Badischer Sportfischerverband e.V.
Feldstraße 130, 68259 Mannheim
19.06.2013 | DAFV: Einheit der Angler in Deutschland
Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Angelfreundinnen
und Angelfreunde,
nun ist es auch amtlich: Der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV) mit Sitz in Berlin wurde nach der Verschmelzung des Verbandes Deutscher Sportfischer (VDSF) und des Deutschen Anglerverbandes (DAV) am 19. Juni 13 beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen. Sie erinnern sich sicher, dass bis dahin viele Klippen und Hürden zu überwinden waren. Am 1. September 2009 kamen die Mitglieder der Kommission „Zusammenführung der Anglerverbände DAV und VDSF zu einem bundesweit einheitlichen Anglerverband in Deutschland“ in Halle an der Saale zu ihrer ersten Beratung zusammen.
Über vier Jahre wurde anschließend über den Zusammenschluss verhandelt, diskutiert und auch gestritten. Den Regeln der Demokratie folgend waren alle organisierten Anglerinnen und Angler dazu aufgerufen von ihrem Recht zur Mitbestimmung Gebrauch zu machen und ihre Vorstellungen zum Verschmelzungsvertrag einzubringen. Es gab, das wollen wir nicht verschweigen, auch kritische Stimmen gegen eine Fusion der beiden Verbände VDSF und DAV. Doch die überwältigende Mehrheit der Landesverbände hat sich eindeutig zum Zusammenschluss beider Verbände auf einer fairen Basis bekannt und damit die Chance wahr genommen eine Stärkung der organisierten Anglerschaft in Deutschland zu ermöglichen.
Die Verschmelzung trägt der gesellschaftlichen Entwicklung im vereinten Deutschland Rechnung und hilft, das Leistungsangebot für die Mitglieder zu verbessern. Der DAFV wird als anerkannter Naturschutzverband auf der Grundlage einer von VDSF und DAV gemeinsam erarbeiteten Satzung arbeiten. Als Dachverband vertritt der DAFV nun die Interessen von etwa 800.000 Anglerinnen und Anglern in seinen Mitgliedsorganisationen. Gemeinsam wollen wir eine starke Interessenvertretung der deutschen Anglerschaft gegenüber der Politik, den Behörden in Deutschland und in der Europäischen Union organisieren.
Mit Beginn der Amtszeit des neuen Präsidiums fand am 29. Juni die erste Sitzung des Gremiums in Räumen des Deutschen Bundestags in Berlin statt. Einer der Schwerpunkte war die grundsätzliche Zuordnung der Aufgabengebiete des neuen geschäftsführenden Präsidiums. Demnach ist die Präsidentin zuständig für die Bereiche Kontakt zu nationalen und internationalen Gesetz- und Verordnungsgebern und Behörden, Öffentlichkeitsarbeit und das Ressort Personal und Verwaltung. Vizepräsident Björn Bauersfeld erhält den großen Bereich Finanzen. Vizepräsident Bernhard Pieper ist für die Bereiche Angeln/ Fischen, sowie die Koordination der Aktivitäten der Mitglieder zuständig. Die Bereiche Natur- und Umweltschutz, Forschung und Wissenschaft obliegen künftig Vizepräsident Dr. Thomas Meinelt. Vizepräsident Kurt Klamet ist für die Bereiche Jugend und Castingsport zuständig. Die Bereiche Aus- und Fortbildung werden themenbezogen jedem einzelnen Mitglied des geschäftsführenden Präsidiums zugeordnet. Die Zus ammenarbeit mit internationalen Verbänden und Bundesverbänden soll ebenfalls fachbezogen, vor allem aber durch die Präsidentin, erfolgen.
Die acht Fachreferate werden geführt von: Dr. Rainer Berg (Gewässerfragen), Friedrich Emonts (Angeln/Fischen für Menschen mit Behinderung), Werner Landau (Meeresfischen/-angeln), Steffen Quinger (Süßwasserfischen/-angeln), Mario Raddatz (Jugend), Dr. Jens Salva (Natur-, Umwelt- und Tierschutz), Thomas Struppe (Öffentlichkeitsarbeit) und Uwe Tempel (Castingsport). Dem Präsidium gehört beratend die Justitiarin Gabriele Kiera an.
Ebenso stand das wichtige Thema Finanzen im Blickpunkt unseres Zusammenkommens. Die Erörterung der aktuellen Zahlen zeigte, dass die Haushaltssituation schwierig ist und gemeinsam Einsparpotenziale gesucht werden müssen. Dafür brauchen wir eine Haushaltsstruktur, die die finanziellen Leistungen den aus der Satzung sich ergebenden Aufgaben und Zielen gegenüberstellt. Innerhalb dieses Monats ist deshalb ein Zusammentreffen aller für die Finanzen zuständiger in der Geschäftsstelle in Offenbach geplant. Wir wollen nach dieser Vorgabe einen aktuellen Finanzplan zu erarbeiten und den Haushalt für das kommende Jahr auf den Weg zu bringen. Weiter auf der Agenda waren wichtige Themen wie zum Beispiel das Leitbild und die inhaltliche Ausrichtung des DAFV, der zukünftige Auftritt des DAFV in der Öffentlichkeit (Pressearbeit, Publikationen und Internet), die Mitgliedschaften in nationalen und internationalen Organisationen sowie das neue Verbandslogo.
Für den 14. September 2013 ist eine Verbandsausschusssitzung geplant, bei der die relevanten Themen der Präsidiumssitzung auf der Tagesordnung stehen und diskutiert werden müssen, denn der DAFV ist nicht die Sache einiger weniger sondern er ist die Sache aller, die sich für die organisierte Angelfischerei einsetzen. Deshalb bitte ich Sie, uns auf unserem Weg zu begleiten, die sich bietenden Chancen zu nutzen und uns bei anstehenden Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Mit einem herzlichen „Petri Heil!“
Dr. Christel Happach-Kasan MdB
Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes e.V.
19.06.2013 | DAFV: Einheit der Angler in Deutschland
Der Eintragungsnachricht des Amtsgerichts Charlottenburg liegt nunmehr dem DAFV vor.
Damit sind die letzten, noch ausstehenden Eintragungen erfolgt:
- Der Verein führt den Namen „Deutscher Angelfischerband e.V.“.
- Der Sitz des Vereins ist nunmehr Berlin; er ist im Vereinsregister unter der VR-Nr. 32480 B eingetragen.
- Der gesamte Vorstand ist antragsgemäß eingetragen worden.
- Die Satzung des Vereins ist vollständig neu gefasst.
- Die vorstehenden Eintragungen sind am 19. Juni 2013 erfolgt und damit wirksam geworden. (Auszüge aus dem notariellen Schreiben vom 24. Juni 2010)
Mit den im Verschmelzungsvertrag genannten Rechtsfolgen, insbesondere dem Erlöschen des DAV und dem Übergang der Mitgliedschaften auf den DAFV ist die Verschmelzung nunmehr auch juristisch wirksam geworden (vgl. § 20 Umwandlungsgesetz).
Das neue Präsidium ist jetzt rechtskräftig im Amt.
08.06.2013 | Weiterbildungen
Ein Schwerpunkt des Landesanglerverbandes Thüringen e.V. (LAVT) und seiner Vereine ist der Fischartenschutz und die Hege der Fischbestände in den natürlichen Gewässern. Beispielsweise nutzen viele Anglervereine und der Thüringer Gewässerverbund des LAVT kleinere Bäche als Aufzuchtgewässer für unsere heimische Bachforelle. Diese werden dann aller ein bis zwei Jahre mit dem E-Gerät abgefischt und die kleinen Bachforellensetzlinge in das Hauptgewässer umgesetzt. Das Ziel ist, standorttreue, „autochthone“ Bestände in unseren Salmonidengewässern aufzubauen.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet der Elektrofischerei sind Bestandskontrollen, sei es um den Erfolg von Hegemaßnahmen zu analysieren und diese gegebenenfalls neu auszurichten, den Gesundheitszustand der Fische zu untersuchen oder um konkrete Aussagen über das Vorkommen, die Entwicklung und Verbreitung der verschiedenen heimischen Fischarten treffen zu können.
Doch auch für die Dokumentation und Erstellung von Gutachten, zum Beispiel nach Fischsterben oder zur Untersuchung der vom zu hohen Kormoranbestand extrem geschädigten heimischen Fischfauna, finden Elektrofischereigeräte ihrenEinsatz.
Um das Wissen und die Fertigkeiten der Elektro – Fischer unsers Verbandes aufzufrischen und sie an der neusten Technik zu schulen, fand am 08. Juni 2013, in der Gaststätte „Zum Alten Schulmeister“ in Harra (theoretischer Teil) und an der Bleilochtalsperre (praktischer Teil) ein überaus interessanter Lehrgang statt, welcher vom Hauptgeschäftsführer des LAVT moderiert wurde.
Zunehmend finden in Thüringen batteriebetriebene Elektrofischereigeräte der Firma Jürgen Bretschneider Spezialelektronik ihren Einsatz. Nicht alle E-Fischer wurden im Rahmen ihrer Ausbildung an solchen Geräten geschult bzw. haben schon länger nicht mehr praktisch mit diesen gearbeitet. Auch haben sich diese Geräte technisch deutlich weiterentwickelt.
Aus diesem Grund referierte Dipl. – Ing. Jürgen Bretschneider besonders zu den batteriebetriebenen Elektrofischereigeräten. Speziell wurden den Teilnehmern das Elektrofischereigerät EFGI 650, ein leistungsstarkes Rückentragegerät für die Watfischerei in Bächen, kleinen Flüssen und Flachwasserbereichen stehender Gewässer bis ca. 1 m Tiefe und Leitfähigkeiten bis ca. 1 mS/cm (GS) bzw. 2 mS/cm (Puls) und das Elektrofischereigerät EFGI 4000, das im Moment leistungsfähigste Batteriegerät auf dem Markt, vorgestellt. Das EFGI 4000 wurde alternativ zu den bisher üblichen Geräten mit Verbrennungsmotor für die Bootsfischerei entwickelt. Es ist sogar im Brackwasser bis ca. 5 mS/cm (GS) bzw. 10 mS/cm (Puls) einsetzbar.
Zuerst frischte Diplom-Ingenieur Jürgen Bretschneider die für das Elektro – Fischen notwendigen theoretischen Kenntnisse auf, erläutere die Bedienung der Geräte und gab eine Vielzahl wertvoller Tipps für den optimalen, Fisch schonenden Einsatz, zu praktischem Zubehör und zur Wartung der Geräte.
Die zahlreich erschienenen E-Fischer nutzten gern die Möglichkeit und stellten Herrn Bretschneider eine Vielzahl von Fragen zur Bedienung und zu den praktischen Einsatzmöglichkeiten der Batteriegeräte. In einer lebhaften Diskussion wurden persönliche Erfahrungen, welche mit den Geräten bereits gesammelt wurden, ausgetauscht. Nach dem theoretischen Teil ging es nachmittags an die Bleilochtalsperre, um die neu erworbenen theoretischen Kenntnisse auch gleich praktisch anzuwenden.
Jeder Teilnehmer konnte sein Wissen bzw. seine praktischen Fähigkeiten an den Geräten selbst ausprobieren. Als sich dann die Fangerfolge einstellten, waren alle begeistert.
Von allen Teilnehmern wurde diese Veranstaltung als wichtig und sehr gelungen eingeschätzt. Zum Gelingen hat besonders die hohe theoretische und praktische Kompetenz sowie die lockere, verständliche Art der Wissensvermittlung von Dipl. – Ing. Jürgen Bretschneider beigetragen. Dafür nochmals unser herzlicher Dank an den Referenten. Ein großes Dankeschön für die sehr gute Vorbereitung des Lehrgangs geht auch an Ilona Grüner, Klaus Freund und Klaus Hilse vom LAVT sowie an die Inhaber der Gaststätte „Zum Alten Schulmeister“ für die angenehmen Räumlichkeiten und aufmerksame, leckere Bewirtung.
André Pleikies
Hauptgeschäftsführer LAVT
Fotos: I. Grüner, A. Pleikies
24.04.2013 | Fischarten- & Gewässerschutz
Pilotanlage des Landes NRW am RWE-Kraftwerk Unkelmühle an der Sieg erleichtert die Wanderung der Fische schonend – Optimierter Fischaufstieg und -abstieg soll neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringen – Millionenprojekt ist deutschlandweit einmalig.
Vor dem Hintergrund der Energiewende kommt der Stromgewinnung aus regenerativen Energiequellen eine besondere Bedeutung zu. Die Nutzung der Wasserkraft ist dabei durchaus nicht unumstritten. In der Fachwelt tobt seit Jahren ein erbitterter Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern bei dieser Art der Stromgewinnung. Besonders die Fischereiverbände haben sich dem Kampf gegen die negativen Folgen dieser Technik auf die Fahnen geschrieben.
Diverse Untersuchungen an deutschen Flüssen hatten in der Vergangenheit ergeben, dass ein Großteil der an einer Kraftwerksanlage ankommenden Fische durch die Gitterrechen vor der Turbine gequetscht und anschließend in den Turbinen regelrecht gehäckselt wurden. Ein Horrorszenario besonders für die Flüsse, in denen man seit Jahren mit erheblichem Aufwand versucht, bedrohte Wanderfischarten im Rahmen von Artenschutzprojekten wieder anzusiedeln, wie zum Beispiel den Lachs.
Aber nicht nur dieser ist betroffen. Auch weitere wandernde Süßwasserfische ziehen die Flüsse hinauf und hinunter. Wie man nun die Situation an den bestehenden Wasserkraftanlagen entschärfen kann, soll die neue Pilotanlage des Landes am RWE-Kraftwerk Unkelmühle sicher stellen. Dabei griffen die Planer auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Wanderverhalten der Fische zurück. Besonders im Focus standen dabei der bedrohte Aal und der Lachs. Beides Arten, die einen komplizierten Lebenszyklus haben und im Laufe ihres Lebens tausende von Kilometern zurücklegen.
In der Vergangenheit hatte man bereits in den 90iger Jahren versucht, den Fischen die Wanderung siegaufwärts durch Aufstiegshilfen am Kraftwerk zu erleichtern. Zum einen wurde die sogenannte raue Rampe am Siegufer gebaut und zum anderen sollte eine Fischtreppe direkt am Kraftwerksgebäude den Wassertieren die ungehinderte Wanderung ermöglichen. Crux an dieser Technik, an den Fischabstieg, siegabwärts hatte niemand gedacht. Diese Defizite sollen nun mit dem Neubau ausgeglichen werden. Ein Fachbüro aus Aachen konzipierte den Bau.
Die alte Fischtreppe (Denil-Fischpass) ist inzwischen verschwunden und durch einen Neubau ersetzt. Vor dem Turbineneinlauf sollen nun sogenannte Feinrechen – im Winkel von 28 Grad angebracht – (10 mm Rillenabstand) die abwandernden Fische schonend auf verschiedene Abstiegsmöglichkeiten leiten. Der Winkel der Rechen soll den Strömungswiderstand verringern und den Tieren Gelegenheit zum Ausweichen bieten.
Die Aale können über seitlich angebrachte Röhren in unterschiedlichen Höhenhorizonten ausweichen oder aber über eine in Grundnähe angelegte „Bottom-Gallery“, den Weg um das Kraftwerk herum finden. Diese Gallery ist nichts anderes als ein offener Schacht, der auch verschließbar ist. Für die wandernden Junglachse gibt es die Möglichkeit beim Abstieg über Einkerbungen an der Wasserlinie an der Rechenoberkante und dann über eine Abschwemmungsrinne das Hindernis zu umschwimmen. Der Clou dabei: Alle drei Abstiegswege können zur Überwachung so gesteuert werden, dass die abwandernden Tiere in gesonderten Hälterbecken landen und registriert werden. Mit dieser Aufgabe soll ein externes Fachbüro für die Dauer von drei Jahren beauftragt werden.
Den ungehinderten Fischaufstieg am Kraftwerksgebäude soll nun ein neuer sogenannter „Vertical Slot Pass“ gewährleisten. Es sind 29 Betonbecken auf ca. 80 Meter Länge so angeordnet worden, dass die vor dem Kraftwerk ankommenden Fische über eine Lockströmung am Eingang des Passes den Weg nach oben finden können. Dabei haben auch die schwimmschwächeren Arten nun eine Chance das Bauwerk zu passieren, denn am Grund der Becken soll eingebrachtes Geröll Gelegenheit zum Verweilen und Ausruhen anbieten. Am Ausgang – oberhalb der Turbinenanlage – führt für Fische der weitere Weg dann wieder in den Obergraben und zum Weiterschwimmen siegaufwärts. An diesem Ausgang könnte später eine Videoanlage angebracht werden, über die man dann genau sehen kann, wer da denn gerade unterwegs ist.
Von dieser Anlage und ihrer Konzeption erhoffen sich die Fachleute zum einen wichtige Erkenntnisse über das Wanderverhalten der Fische im Jahresverlauf sowie einen deutlichen Schutz vor den Turbinen. Die Praxis wird zeigen, ob der Neubau den Erwartungen entspricht, wobei man davon ausgehen muss, dass die gemachten Erfahrungen in die Optimierung der Technik einfließen werden.
Ergänzungsartikel: Baubeginn der Pilotanlage war im Februar 2011. Mit der Fertigstellung wird im September 2012 gerechnet. Investiert wurden insgesamt 5,5 Millionen Euro. 4,5 Millionen davon trägt das Land NRW, 1 Million Euro steuerte das RWE bei, das im Rahmen der Bauarbeiten auch die Technik im Kraftwerksgebäude sanierte.
Kommentar:
Es ist ein stiller, aber grausamer Tod, den jedes Jahr zig Tausend Fische sterben, die in die Turbinen oder Rechen der Wasserkraftwerke an deutschen Flüssen geraten und zu Tode gequetscht oder gehäckselt werden. Meist stammen die Anlagen aus früheren Zeiten, als man sich noch keine Gedanken über die schädlichen Auswirkungen dieser Technik auf die Wasserbewohner machte. Die effiziente Stromgewinnung stand und steht auch heute im Vordergrund für die Betreiber.
Demgegenüber stehen nun die Bemühungen an der Rheinschiene, den Lachsen und anderen Wanderfischen den ungehinderten Auf- und Abstieg durch die Flüsse zu ermöglichen, möglichst ohne große Verluste an den Turbinenanlagen.
So setzt die neue Pilotanlage an der Sieg Maßstäbe und kann als Beispiel dafür dienen, wie man die Ansprüche aus der Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringen kann. Vorausgesetzt der gute Wille der Betreiber ist vorhanden.
Der ungehinderte Weg für die wandernden Fische in ihren traditionellen Heimatgewässern ist mit Voraussetzung dafür, dass zum Beispiel die Ziele des Wanderfischprogrammes NRW keine bloße Utopie bleiben. Bei der Fisch schonenden Nachrüstung von Auf- und Abstiegsanlagen an Wasserkraftwerken an den Flüssen gibt es einen riesigen Nachholbedarf im Land. Wer aber den Nutzen der Wasserkraft will, darf auf keinen Fall den Schutz der Lebewesen im Wasser ignorieren.
Die heutigen Zustände an den vielen Flusskraftwerken sind alles andere als erfreulich und gehen zu Lasten der Fische, die zurzeit häufig als „Gulasch“ aus den Turbinen herauskommen. Ein unhaltbarer Zustand.
Von Horst Stolzenburg